Unter Bayern:Revolution, aber richtig

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In dieser Woche ist in der CSU-Fraktion ein Aufstand abgeblasen worden, wieder mal. Das zeigt nur, dass der Leidensdruck noch nicht groß genug ist. Das war schon anders, wie ein Blick in die Geschichte zeigt.

Glosse von Katja Auer

Die Revolution ist in der Demokratie nicht das gängige Mittel der Mehrheitsbeschaffung, glücklicherweise, dennoch ist die Ausdrucksweise in der Politik gelegentlich kriegerisch. Man erinnere sich nur an jene Nacht 2007 in Wildbad Kreuth, in der nicht weniger als ein Putsch stattgefunden haben soll. Erwin Huber und Günther Beckstein "stürzten" den Ministerpräsidenten und CSU-Chef Edmund Stoiber, mit Gegenwehr zwar, aber immerhin ohne körperliche Gewalt.

Die damalige Fürther Landrätin Gabriele Pauli, die den ganzen Aufstand ausgelöst hatte, bekam den Titel der CSU-Rebellin verliehen, auch wenn sie hernach als erste von der eigenen Revolution gefressen wurde, um das passende Sprichwort zu bemühen. Huber und Beckstein erging es hernach ähnlich, allerdings verbockten sie erst eine Wahl, bevor sie von der eigenen Partei politisch gemeuchelt wurden.

Angesichts solcher Risiken will eine Revolution in der Politik gut überlegt sein, und so bleiben viele Aufstände Theorie. Allein die potenziellen Meuterer gegen Horst Seehofer hätten versammelt einen ansehnlichen Trupp ergeben, aber weil der Anführer fehlte (Markus Söder gibt sich aus genannten Gründen selbst freilich nicht her als Königsmörder), vermieden jene die Formierung und verlegten sich lange auf die Heckenschützen-Taktik.

In dieser Woche gab es zwar einen, der offen zur Revolte gerufen hat, nur gefolgt ist kaum einer. Es ging gegen CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer, den viele aus den eigenen Reihen zwar für nicht mehr zeitgemäß halten, aber offenbar dann doch nicht für so unmodern, dass man ihn direkt wegputschen sollte. Die Revolution wurde also abgeblasen, der Aufrührer Ernst Weidenbusch als einzelner Rebell abgetan, und jetzt geht es weiter mit dem stillen Gemaule.

Will eine Revolution erfolgreich sein, muss der Leidensdruck enorm sein, ein bisschen Unwohlsein reicht da nicht. Das lässt sich historisch belegen, im Jahr 1844 etwa ist in München eine Revolution ausgebrochen, im Jahr 1907 in Bamberg gar ein Krieg. Und beide Male waren die Aufständischen ebenso kompromisslos wie erfolgreich. Direkt um Politik ginge es indes nicht, sondern um den Bierpreis. Mögen die Bayern, gestählt von jahrzehntelanger CSU-Alleinherrschaft, in politischen Dingen auch duldsam sein. Beim Bierpreis hört der Spaß auf. Die geplanten Erhöhungen wurden nach beiden Revolten zurückgenommen.

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