Unter Bayern:Lust und Last bei Olympia

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Der Gewichtheber Josef Straßberger schmuggelte 1932 ein ganz besonderes Stärkungsmittel in die Vereinigten Staaten

Glosse von Hans Kratzer

Der Doppelvierer der deutschen Ruderinnen war bei den Olympischen Spielen in Tokio vom Pech verfolgt. Mitten im Rennen hatte sich ein Ruderblatt im Wasser verkantet, das Boot blieb wegen dieses Malheurs im Wasser stehen, und die Medaille war futsch. Olympia ist für die Sieger stets ein Ort größten Glücks, für die Verlierer aber eine Quelle tiefster Not. Der hochgezüchtete moderne Sport verzeiht keine Fehler mehr. Das war nicht immer so: Bei den Spielen in Amsterdam anno 1928 musste der australische Ruderer Henry Pearce ebenfalls im Rennen anhalten. Da justament gerade eine Entenfamilie seine Bahn kreuzte, ließ er sie passieren und setzte danach seine Fahrt fort. Die Goldmedaille gewann er trotzdem.

Über diesen Vorfall hat vermutlich auch Josef Straßberger geschmunzelt, der einige Steinwürfe von der Ruderstrecke entfernt ebenfalls eine Goldmedaille holte. Der Gewichtheber war der erste bayerische Olympiasieger überhaupt. Als Gastronom kannte er die besten Stärkungsmittel, die es damals gab. Bei ihm wirkten bereits eine Mass Bier und ein Stamperl Cognac leistungssteigernd. Das schmeckte auch besser als das Teufelszeug aus der modernen Laborküche.

Als er 1932 zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles reiste, hatte Straßberger seine Dopingliste um ein Fassl Bier erweitert, das er auf dem Schiff als Behältnis für Massage-Öl etikettierte. Bevor er es aber ins Olympische Dorf schmuggeln konnte, wurde es ihm gestohlen, und Straßberger vergoss bittere Tränen. Ohne sein gewohntes Stärkungsmittel holte er statt Gold nur Bronze.

Ungeachtet dessen ist der Kraftsport seit jeher eine bayerische Kernkompetenz. Deshalb können auch die hiesigen Politiker in der Regel vor Kraft kaum laufen. Schon im 15. Jahrhundert galt der Herzog Christoph als eine Art "bayerischer Herkules". Er schleuderte einen 364 Pfund schweren Stein neun Schritte weit, heute würde er wohl Olympiasieger im Kugelstoßen sein. Ob er damit glücklich wäre? "Es ist nicht leicht, ein Olympiasieger zu sein", sagte Straßberger. Im Februar 1945 wurde sein Hotel in München von einer Brandbombe zerstört. Drei Tage lang suchte er in den Trümmern nach seiner Goldmedaille, die ihm so viel bedeutete - diesmal hatte er keinen Erfolg.

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