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Unter Bayern:Kerwa, Küchla und Krenfleisch

Gerade jetzt würde in vielen Orten Kirchweih gefeiert, aber das gesellige Treiben fällt heuer aus. Kein enges Zusammenhocken, kein Tanz, kein Festzelt. Wenigstens gibt es keinen Grund, auf ein deftiges Kerwa-Essen zu verzichten

Kolumne von Katja Auer

Eigentlich wäre gerade Kerwa-Zeit - Kirta, Kirwa, Kerm, die verschiedenen Bezeichnungen wurden an dieser Stelle schon diskutiert. Es gilt diesmal die oberfränkische Ausdrucksweise, dort wird, also würde, besonders intensiv Kirchweih gefeiert. Dabei, was soll der Konjunktiv, richtigerweise ist natürlich Kerwa-Zeit, denn ein Patrozinium gilt auch in Krisenzeiten. Gerade dann.

Man überlege nur, da weiht man eine Kirche zum Beispiel dem heiligen Georg, der immerhin einen Drachen erlegt hat, oder der heiligen Katharina, die der Henker mit dem Schwert hinrichten musste, weil sein Folterrad der frommen Jungfrau nichts anhaben konnte. Und dann fällt der Gedenktag wegen eines Virus aus? Geht natürlich nicht. Kirchlich gesehen. Weltlich allerdings sieht das anders aus. Gerade erst ist die Bamberger Sandkerwa ausgefallen, eine inzwischen überwiegend weltliche und über die Maßen gesellige - und deswegen in Corona-Zeiten nicht angemessene - Veranstaltung.

Auf den Dörfern geht es heuer zumindest gemäßigter zu. Kein Festzelt, höchstens ein paar Bierbänke im Freien. Mit der Musik ist es auch schwierig, deswegen hat die fränkische Band Kellerkommando kurzerhand ein Kerwakommando aufgestellt und taucht mit Trompete, Posaune und Kamera bei den paar Hartnäckigen auf, die in Buckenhofen, Neunhof, Oberehrenbach zusammensitzen. Auseinandersitzen, natürlich.

Kulinarisch immerhin kann die Kerwa stattfinden. Schlachtschüssel am Donnerstag, Bratwürste am Freitag, Krenfleisch am Sonntag - die Reihenfolge kann variieren, das traditionelle Kerwa-Essen bieten viele Wirte an, nur halt mit Abstand oder gleich "to go". Zur Kerwa gehören freilich auch Küchla, Auszogne anderswo, ein Schmalzgebäck, dessen Zubereitung eine gewisse Kunstfertigkeit oder zumindest Übung erfordert. Da gab es schon Hausfrauen, die mal eben ein paar Dutzend Küchla backten vor dem Festtag. Nicht, weil so viele Gäste erwartet wurden. Sondern um hernach nur die schönsten Küchla, kreisrund und innen fast durchsichtig, auf die Kuchenplatte zu legen. Und dann beiläufig das Lob entgegenzunehmen, dass wirklich niemand so schöne Küchla zustande bringe. Ist halt doch eine Challenge, so eine Kerwa. Mal ganz weltlich betrachtet.

© SZ vom 19.09.2020

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