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Unter Bayern:Humor hilft

Wie hätte Karl Valentin wohl die Krise kommentiert, etwas Tiefsinnig-Humoreskes könnte nicht schaden in diesen Zeiten. Das Kabarett hat es gerade schwer, nicht nur, weil es wenig zu lachen gibt. Aber es gibt ihn noch den Humor

Kolumne von Katja Auer

Es lässt sich trefflich sinnieren in diesen Zeiten, wie andere Leute mit der Pandemie umgegangen wären. Dem Märchenkönig, das lässt sich recht sicher sagen, hätte das Abstand halten wohl kaum etwas ausgemacht. Ob die Markgräfin Wilhelmine ihr Opernhaus in Bayreuth hätte Corona-gerecht umbauen lassen? Hätte sich Franz Josef Strauß zum obersten Virus-Bekämpfer stilisiert, inklusive Rautenmaske? Und was hätte wohl Karl Valentin über Anti-Mundschutz-Demonstranten und Corona-Leugner gesagt und über die Urlaubsheimkehrer, die Partys besuchen statt sich in Quarantäne zu begeben? Wäre auf sie sein berühmter Satz anzuwenden gewesen von den Fremden, die nur fremd sind in der Fremde? Und die - wieder daheim - dann besser noch eine Weile fremdeln sollten zur eigenen Sicherheit und zu der all der anderen Fremden?

Müßig ist das, freilich, aber etwas Tiefsinnig-Valentineskes könnte wohltuend sein in diesen Zeiten. Zumal es gerade schwierig ist mit dem Humor. Nicht, dass er nicht helfen könnte in der Krise, das war noch in jeder so, aber wie ihn unter die Leute bringen? Kabarettisten sind mit Überlebenskampf und Soforthilfe-Bürokratie beschäftigt und wer doch was Heiteres zu erzählen weiß, der kann das überwiegend im Internet tun oder im Autokino oder auf großen Wiesen vor wenigen Zuhörern. Das ist nur bedingt lustig.

Bevor nun das Lamentieren beginnt, das gar nichts bringt, auch das war schon in jeder Krise so, sei noch einmal auf andere Leute verwiesen. Die zwei an einem fränkischen Marktstand zum Beispiel, die jüngst ihre Lage diskutierten. Eine ältere Dame, die der etwas jüngeren darlegte, dass sich ehrlicherweise nicht viel geändert habe in ihrem Leben. Fortgefahren sei sie schon früher nur ungern und abends ausgehen, mei, das mache sie schon lang nicht mehr. Die jüngere verzog das Gesicht etwas, na ja, darauf könne sie schon auch eine Weile verzichten und Urlaub habe sie in diesem Jahr ohnehin nicht geplant. Nur mit dem Job sei es halt schwierig. Was sie denn arbeite, fragte die ältere. Schauspielerin sei sie, so die Antwort, also zurzeit quasi arbeitslos. Kurzes Schweigen, dann ein Vorschlag: "Na, dann könna Sie doch zumindest so tun, als wär alles wie immer." Das nennt man wohl den pragmatischen Ansatz.

© SZ vom 29.08.2020
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