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Unter Bayern:"Es dorf keinen Leichtsinn geben"

Warum Ministerpräsident Markus Söder in Quarantäne gehen musste

Eine Glosse von Roman Deininger

München, 16. Oktober. Der geschäftsführende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat sich erstmals zur Internierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geäußert. "Vorsicht und Umsicht sind unser Moßstab, wir wollen Bayern gut beschützen", sagte Aiwanger am Freitag in München. "Die Regeln gelten für olle." Söder war am Donnerstag auf der Rückreise vom Corona-Gipfel im Bundeskanzleramt an der thüringisch-bayerischen Grenze bei Rudolphstein festgesetzt worden, weil er sich im Risikogebiet Berlin-Mitte aufgehalten und dort sogar übernachtet hatte. "Wir sind einem Lockdown näher als wir wohr hoben wollen. Es ist keine gute Zeit, kreuz und quer durchs Lond zu reisen", so Aiwanger. Der bayerischen Grenzpolizei gratuliere er "von Herzen zu ihrem bislong spektokulärsten Fohndungserfolg".

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigte, dass Söder seine zehntägige Quarantäne im Brückenrasthaus Frankenwald verbringe, wo extra der Bistrobereich abgesperrt und mit einer Matratze ausgestattet wurde. Der Ministerpräsident sei abgesehen von einem außergewöhnlich hohen Puls "wohlauf" und habe das Bußgeld von 250 Euro "sofort und in bar entrichtet", so Herrmann. Mit dem einen ihm rechtlich zustehenden Anruf habe Söder versucht, das Mobiltelefon eines Hubert A. zu erreichen; dieser habe das Gespräch jedoch nicht angenommen. Als persönlichen Gegenstand, den er mit in Quarantäne nehmen durfte, habe Söder eine "Game of Thrones"-Tasse mit der Aufschrift "Winter is here" gewählt.

Bei einem Interview im heute-journal sagte Aiwanger auf die Frage der Moderatorin Marietta Slomka nach Söders Befinden: "Er hot Grund zu Optimismus, ober er braucht Geduld. Es dorf keinen Leichtsinn geben." Söder dürfe die Quarantäne verlassen, so Aiwanger, sobald er "Pi mal Daumen an vier aufeinanderfolgenden Tagen je drei Mal negativ getestet" werde. "Das Rote Kreuz ist dron." Langweilig werde es Söder kaum werden, weil er "wie olle onderen Delinquenten" am Online-Seminar "Gefahren ernst nehmen - verantwortungsvoll handeln" unter Leitung des SPD-Politikers Karl Lauterbach teilnehmen müsse. Aiwanger abschließend: "Nur wer Krisen meistert, konn Konzlerkondidot werden."

© SZ vom 17.10.2020

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