Unter Bayern:Der harte Job der Abgeordneten

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CSU-Mann Ernst Weidenbusch versteht seine Tätigkeit im Parlament als "Dienst an Bayern", weil er als Anwalt weit mehr verdienen könnte. Über das entbehrungsreiche Leben der Volksvertreter

Glosse von Katja Auer

Der CSU-Abgeordnete Ernst Weidenbusch hat in dieser Woche erklärt, dass er seine Tätigkeit im Parlament als "Dienst an Bayern" versteht, weil er als Anwalt weit mehr verdienen könnte als die läppischen 100 000 Euro Abgeordnetenentschädigung pro Jahr. Das ist recht selbstlos von ihm, schließlich verlangt das Mandat dem Volksvertreter allerlei ab für das karge Einkommen. Geduld zum Beispiel, Langmut gar, wenn ein Redebeitrag im Plenum mal wieder schmerzhaft schlicht ausfällt.

Sogar auf die Fitness kann sich der Job auswirken, es gibt Abgeordnete, bei denen sich die Jahre der Parlamentszugehörigkeit am Bauchumfang messen lassen. Es ist aber auch schwer, bei all den Terminen die Disziplin zu wahren. Hier ein Schnittchen, da ein Glas Wein, im Wahlkampf erhöht sich die Zahl um ein Vielfaches. Agrarministerin Michaela Kaniber hat neulich schon protestiert, als sie für ein Foto eine zweite Bratwurst verzehren sollte. "Was meinen Sie, wie ich ausschauen tät...?"

Da ist Thomas Hacker leidensfähiger, der Bayreuther FDP-Bundestagsabgeordnete und frühere Fraktionschef im Landtag trägt nicht ganz so schmale Anzüge wie sein Parteichef und hat die Bratwurst im Wahlkampf einfach zum Prinzip erhoben. Seit Jahren schon geht er im Sommer auf Bratwurst-Tour, wie ließe es sich in Oberfranken leichter ins Gespräch kommen als bei der Suche nach der besten Wurst. Als Liberaler kann man das noch machen, in der Gegend ohnehin, aber selbst in Oberfranken bekommt die Wurst Akzeptanzprobleme. Es gibt längst Kneipen, da ist beim monatlichen Currywurst-Abend die Nachfrage nach der veganen Variante annähernd so groß wie nach der klassischen Fleischversion.

Im Landtag dagegen werden an Plenartagen weiterhin überwiegend Wiener und Debrecziner vom Schwein verspeist, da ist der bayerische Abgeordnete im Durchschnitt recht bodenständig. Nur beim Wein, da hört es auf mit Einfachheit. Da geht es offenbar ums Prinzip. Besagter Anwalt etwa bringt sich zum Weihnachtsessen im Landtag schon mal sein eigenes Fläschchen italienischen Rotwein mit, wenn ihm die Auswahl der fränkischen Weine nicht zusagt. Irgendwann muss es schließlich mal gut sein mit dem "Dienst an Bayern".

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