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Unter Bayern:Bitte recht freundlich

Der Ton unter Parteifreunden ist nicht zwingend herzlich, aber Markus Söder bemüht sich zunehmend. Sogar, wenn es um Armin Laschet geht

Kolumne von Franz Kotteder

Mittwoch dieser Woche hatte Markus Söder eine besondere Aufgabe zu bewältigen. Er stellte in Berlin eine neue Biografie über seinen Ministerpräsidentenkollegen Armin Laschet vor. Für seine Verhältnisse kam er dabei ohne große Schmutzeleien zurecht, was ja selbst unter Angehörigen der gleichen Partei nicht immer als gesetzt gelten kann. Ein bisschen neidisch war er wohl auch, denn unter anderem ist der Satz überliefert, so positive Biografien über Ministerpräsidenten wie in Nordrhein-Westfalen gebe es in Bayern nicht.

Da könnte man jetzt frotzeln: "Vielleicht liegt's ja nicht am Buch, sondern am Objekt desselben?" Söder hat in Berlin durch die Blume jedenfalls zu erkennen gegeben, dass er sich freundlichere Biografien über seine Person durchaus vorstellen kann. Es muss keineswegs eine Hagiografie sein - eine Heiligenlegende -, die enden bekanntermaßen häufig mit einem Martyrium, das nur die wenigsten für erstrebenswert halten. Markus Söder weiß so etwas, schließlich hat er die allgemeine Hochschulreife in Bayern erworben, wie er in Berlin durchblicken ließ, wohingegen Laschet lediglich über ein NRW-Abitur verfüge. Und darüber hat man ja in Bayern schon zu Zeiten von Franz Josef Strauß bloß laut gelacht.

Was Martyrien und Bildungsfragen angeht, landet man dieser Tage schnell bei Andreas Scheuer, dem Bundesverkehrsminister. Der wird (Martyrium!) gerade von einem Untersuchungsausschuss gegrillt, weil er möglicherweise mit der Ausländermaut eine halbe Milliarde an Steuergeld leichtfertig versenkt hat. Ja, das kann schon mal passieren - selbst dann, wenn man ein bayerisches Abitur hat. Schließlich haben an der ganzen Angelegenheit eine ganze Reihe von CSUlern maßgeblich mitgewirkt. Bayerische Wissenschaftstheoretiker mögen nun ins Feld führen, an der ganzen Maut-Dummheit sei möglicherweise der etwas halbscharige, ausländische (!) Doktortitel von Scheuer schuld, den er 2004 in Prag erworben hat. Aber das ist letztlich nebensächlich, weil man selbst damit sein Amt behalten kann. Denn ein Ministerpräsident Söder weiß: Mit einem Vize wie Aiwanger und einem Parteifreund wie Scheuer könnte man selbst mit einer ganz und gar unfreundlichen Biografie noch strahlen wie ein junger Gott.

© SZ vom 02.10.2020
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