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Universitäten in Bayern:Freie Wähler fordern "klares Leitbild" für die Hochschulpolitik

Studenten bei VWL-Vorlesung in der LMU in München, 2014

Die Hochschulen müssen die Lehre nach Ansicht der Freien Wähler konkreter auf die Berufsvorbereitung ausrichten.

(Foto: Florian Peljak)
  • Die bayerische Staatsregierung hat eine Große Anfrage der Freien Wähler zum Thema "Studieren2020" beantwortet.
  • Den Freien Wählern fehlt in der Antwort eine klare Zukunftsperspektive für die Hochschulpolitik.
  • Das Wissenschaftsministerium beruft sich dagegen auf die Autonomie der Universitäten. Nur beim Thema Internationalisierung sieht auch die Staatsregierung Nachholbedarf.

Mehr als ein Jahr hat sich die Staatsregierung für die Große Anfrage der Freien Wähler (FW) Zeit gelassen, nun hat sie ihr umfangreiches Antwortpaket zum Thema "Studieren 2020" vorgelegt.

Das mehr als 200 Seiten umfassende Schreiben, das der SZ vorliegt, ist eine Bestandsaufnahme der bayerischen Studienbedingungen - von Leitbildern der Unis über Studentenzahlen, Finanzierung und Strategien, Bildung in die Regionen zu bringen, bis hin zu den Erfolgen und Misserfolgen der Bologna-Reform, die Deutschland den Bachelor- und Masterabschluss brachte.

Dass Bayerns Hochschulpolitik dabei aus Sicht der Staatsregierung besser wegkommt als nach Meinung der FW, ist wenig überraschend. Entsprechend umfangreich fällt auch deren Kritik an der Beschau der Hochschulpolitik aus.

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"Wäre das eine Abschlussarbeit, würde ich drunter schreiben: deskriptiv, aber nicht analytisch", sagt Michael Piazolo, hochschulpolitischer Sprecher der FW, der bis 2013 an der Hochschule München als Professor lehrte. "Da steht nur drin, wie es ist, aber nicht, wo die Staatsregierung in der Hochschulpolitik in Zukunft hinsteuert." Ihm fehle insgesamt ein "klares Leitbild".

Tatsächlich beruft sich das Wissenschaftsministerium in nahezu allen Belangen gern auf die Autonomie der Hochschulen, sei es bei Fragen der Grundfinanzierung, dem Lohn für Lehrbeauftragte oder befristeten Anstellungen im Mittelbau. So auch in der Antwort auf die Interpellation, in der Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) wiederholt auf das Verantwortungsbewusstsein der Unis verweist, wo die FW nach der aktiven Weiterentwicklung durch die Staatsregierung fragen. "Detaillierte Vorgaben", schreibt Spaenle, halte man für "wenig zielführend".

"Sich zurückzulehnen und auf die Autonomie der Hochschulen zu verweisen, ist das falsche Signal", sagt wiederum Piazolo. Gehe es nach ihm, könnten die Hochschulen in bestimmten Bereichen, etwa beim Lehrplan, noch mehr Autonomie bekommen. "Über allem muss aber die Frage der Staatsregierung stehen: Wo wollen wir in der Hochschulpolitik hin?"

Universitäten finanzieren sich zunehmend aus Drittmitteln

Ausgehend von dieser Frage haben die FW aus der Interpellation vier zentrale Forderungen abgeleitet: Die Hochschulen sollen demnach mehr Geld bekommen, die Studienbedingungen sollen verbessert und das Studium internationaler werden. Außerdem müsse die Wissenschaftlichkeit nach Bologna wieder in den Vordergrund rücken.

Der Forderung nach einer höheren Grundfinanzierung dürfte keine Uni widersprechen. Der Trend zeigt, dass sie sich zunehmend mehr aus Drittmitteln finanzieren. Aus den in Spaenles Schreiben aufgeschlüsselten Zahlen der Jahre 2000 bis 2014 geht außerdem hervor, dass die staatlichen Zuschüsse demgegenüber in diesem Zeitraum prozentual gesunken sind.

Die verbesserten Studienbedingungen beziehen die FW vor allem auf die wachsenden Studienanfängerzahlen: Entschieden sich im Jahr 2006 noch etwa 36 Prozent eines Jahrgangs für die Uni, waren es 2014 schon mehr als 58 Prozent. Für Bayern bedeutet das 376 000 Studenten im Jahr 2015 - freilich auch durch den doppelten Abiturjahrgang bedingt -, im Jahr 2000 waren es 213 000.

Dank Bologna gehen mehr Studenten ins Ausland

Das, so Piazolo, wirke sich auf viele Bereiche des studentischen Lebens aus: Lehrveranstaltungen seien überfüllt, die Wohnsituation in vielen Unistädten prekär. Auch müssten die Hochschulen darüber nachdenken, ihre Lehre konkreter auf die Berufsvorbereitung auszurichten. "Es können doch nicht 60 Prozent eines Jahrgangs in die Wissenschaft gehen."

Beim Thema Internationalisierung sieht auch die Staatsregierung Nachholbedarf. Zwar gehen heute, auch dank Bologna, mehr Studenten ins Ausland als noch vor zehn Jahren. Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder im Ausland erworbener Leistungen lässt aber immer noch Luft nach oben. Und gerade die Hochschulen für angewandte Wissenschaften ziehen noch zu wenig Wissenschaftler aus dem Ausland an. In Spaenles Schreiben heißt es dazu selbstkritisch, das liege "zum Teil am fehlenden Mittelbau".

Eine Rückkehr zur Wissenschaftlichkeit würden die FW vor allem in der Wiedereinführung des Diploms sehen. Piazolo verweist auf immer mehr Ausbildungsberufe, die man heute auch über ein Studium erschließen könne, vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen. Das sei nicht falsch, dürfe aber auch nicht vom wissenschaftlichen Anspruch der Universitäten ablenken.

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