Universitäten Doppelt forscht besser

Joe Harris, Postdoc am Lehrstuhl für Materialforschung, und seine Verlobte Julia Robinson. Auch sie hat mit Hilfe der Universität Erlangen-Nürnberg hier einen Job gefunden. Weil es den beiden in Franken gefällt, haben sie ihren Aufenthalt verlängert.

(Foto: Peter Roggenthin)
  • "Dual Career", also zweifache Karriere, heißt ein Trend, der sich in der Wissenschaft ausbreitet.
  • Um gefragtes Personal zu gewinnen, kümmern sich Hochschulen zunehmend darum, dass auch die Partner ihrer Angstellten einen Job finden.
Von Johann Osel

Zwischen Reagenzgläsern und futuristisch anmutenden Geräten im Labor am Stadtrand von Erlangen ist Joe Harris in seinem Element. Da beginnt er zu erzählen und zu erklären. Er zeigt auf bauchige Glasgefäße, in denen er Kristalle züchtet, um deren Strukturen aus der Natur zu analysieren und womöglich nachzuahmen in synthetischen Produkten. Dass der Engländer nicht perfekt Deutsch spricht und in anderem Zusammenhang bedächtig fast jedes Wort genau wägt, vergisst er da ganz.

Der 30-Jährige hat an der Universität Bristol in Chemie promoviert, seit mehr als drei Jahren ist er jetzt Post-Doktorand am Lehrstuhl für Materialforschung - Glas und Keramik - an der Uni Erlangen-Nürnberg. Bevor er nach Franken kam, in ein Projekt der Exzellenzinitiative für Spitzenforschung, gab es andere Angebote und Überlegungen, Berlin etwa oder New York.

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Wissenschaft funktioniert längst weltweit. Klar war für Harris aber: Julia Robinson, seine Verlobte, die er mit 18 auf dem Campus in Bristol kennengelernt hatte, sollte mitkommen, sie wollte ihn auch begleiten. Dass die 29-jährige Frau schnell einen prima Job in einer Werbeagentur fand - das ist auch dem Einsatz der Universität zu verdanken.

"Dual Career", also zweifache Karriere, heißt der Trend, der sich in der Wissenschaft ausbreitet. Um gefragtes Personal zu gewinnen, müssen sich Hochschulen durchaus anstrengen - nicht selten hängt eine Zusage von den Rahmenbedingungen ab und eben davon, ob der Partner einen Job findet. Immer mehr Unis helfen beim Berufen von Professoren oder Einstellen von Forschern auch deren Partnern, sich auf dem regionalen Arbeitsmarkt zurecht zu finden.

Erlangen startete vor Jahren diesen Service, genauer gesagt: ein nordbayerisches Netzwerk, das in dieser Form sonst nicht auftritt, darunter die Unis Regensburg, Bamberg und Bayreuth, Hochschulen wie Coburg und Ansbach, Fraunhofer-, Helmholtz- und Max-Planck-Institute; dazu als Partner Industrie- und Handelskammern, Konzerne wie Siemens oder HUK-Coburg.

"Vielleicht gibt der Job für den Partner nicht den Ausschlag für eine Entscheidung - keinen solchen Service zu bieten, kann aber ein Nachteil sein", sagt Yvonne Eder, die das Nordbayern-Netzwerk koordiniert. "Es ist ein hilfreiches Instrument im Wettbewerb um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler." Devise sozusagen: Doppelt forscht besser.

Julia Robinson hat in Bristol Deutsch und Spanisch studiert, sechs Monate hat sie mal in Augsburg verbracht - trotzdem ist ihr Deutsch, so die Angst, vielleicht nicht ausreichend für den Beruf, in dem sie zuhause arbeitete: Marketing. Sie dachte an Englischunterricht als Notnagel. Als ihr Verlobter die Stelle antrat, wies man sie auf das Netzwerk hin. Bei Professuren legt Eder einen Flyer dem Berufungsschreiben bei. Je früher sie Bedarf erkennt und tätig wird, desto besser.

"Wir sind letztlich Dienstleister, wir wollen Türen öffnen. Wir sind jedoch kein Vermittlungsservice, da wird nicht einfach jemand von mir mit einem Job versorgt", sagt sie. Bis zu drei Dutzend Personen betreut das Netzwerk im Jahr; manche Standorte haben eigene Ansprechpartner, andere werden von Erlangen aus gemanagt. Eders Stelle wird zum Teil vom bayerischen Kultusministerium finanziert. Wissenschaftlern werde "ein hohes Maß an Mobilität abverlangt.