Universität Eichstätt Warten auf den Vatikan

An der Katholischen Universität Eichstätt gibt es seit vielen Jahren Debatten um das Personal.

(Foto: dpa)
  • Seit sieben Jahren steckt die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) in einer Dauerkrise.
  • Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger soll sich als hauptamtlicher Kirchenvertreter künftig um die Geschicke der Hochschule kümmern.
  • Noch fehlt die Zustimmung zu den Plänen aus dem Vatikan.
Von Martina Scherf

Alle warten auf den Segen aus Rom. Auch Weihbischof Anton Losinger, der sich seit Wochen gedanklich auf seine Schlüsselrolle bei der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) vorbereitet. Als hauptamtlicher Kirchenvertreter soll er sich künftig um die Geschicke der Hochschule kümmern, die seit sieben Jahren in einer Dauerkrise steckt. So hat Kardinal Reinhard Marx entschieden. Dafür braucht es aber eine Satzungsänderung. Und die muss der Vatikan genehmigen.

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Vor mehr als drei Monaten hatte sich Marx mit den bayerischen Bischöfen darauf geeinigt, dass die KU einen hauptamtlichen Stiftungsratsvorsitzenden bekommt. Bisher hatte der viel beschäftigte Marx dieses Amt selbst geleitet und das operative Geschäft seinem ebenso viel beschäftigten Generalvikar Peter Beer überlassen. Der musste als Katastrophenmanager zwischen dem Zusammenbruch des Weltbild-Verlages, der führungslosen KU und weiteren Baustellen manövrieren. Voraussichtlich, so ist zu hören, wird er künftig als Losingers Stellvertreter fungieren. Unklar war zunächst noch, ob Marx weiter Großkanzler der KU bleiben wird. Inzwischen sieht es so aus, als würde er auch dieses Amt an Losinger abgeben. Der in Augsburg promovierte Theologe und Volkswirt, so heißt es, soll ein Büro in Eichstätt beziehen und mehrere Tage in der Woche präsent sein. Offizielle Erklärungen gibt es aber erst nach dem Nihil Obstat aus Rom.

Viele zweifeln daran, dass je die Demokratie einzieht

Die nächste Freisinger Bischofskonferenz findet am 4. März statt. Spätestens dann soll die Änderung der Statuten vollzogen sein. Die Zeit drängt. Nach dem Rücktritt des Präsidenten Pater Richard Schenk vor einem Jahr und einer gescheiterten Neuwahl im vergangenen Sommer wird die Universität derzeit von einem fünfköpfigen Interimspräsidium geleitet, das Marx eingesetzt hat. Die Germanistin Gabriele Gien hat nur knapp zwei Jahre Zeit, die Weichen neu zu stellen. Wenn 2016 ein neuer Präsident gewählt werden soll, muss diesen Sommer die Ausschreibung erfolgen.

Ein Himmelfahrtskommando, sagen manche; die letzte Chance, die Gräben der Vergangenheit zu schließen und einen Neustart vorzubereiten, meinen andere. "Eichstätt ist eine innerlich zerrissene Universität", sagte der dortige Bischof Gregor Maria Hanke im Bayerischen Rundfunk. "Viele Professoren schämen sich, an einer katholischen Universität zu sein." Das mag überspitzt sein - immerhin haben sich alle Gremien auf einen Zukunftsplan geeinigt. Wahr ist allerdings, dass einige längst resigniert haben und auch jene, die immer noch an ihre Uni glauben, langsam zweifeln, ob in Eichstätt, einer Hochschule, die zu zwei Dritteln vom Staat finanziert wird, je demokratische Verhältnisse einziehen. Auch jetzt kann nur wieder orakelt werden, ob neben der Stiftungssatzung auch die Grundordnung der Universität geändert wird, und ob die Gremien der Hochschule einbezogen würden. "Die Bischöfe lassen sich Zeit", sagt ein Dekan, "Zeit, die wir nicht haben".

Gratwanderung an der Hochschule

Nun hat Kardinal Marx bei der Jahresfeier im November versichert, die Hochschule solle "autonom" handeln. Andererseits müssen alle Veränderungen vom Stiftungsrat abgesegnet werden. Es wird an Losingers Geschick hängen, wie gut diese Gratwanderung gelingt. "Uns liegt daran, einen regelmäßigen Austausch zu pflegen", sagt Gabriele Gien. Bisher mussten die Fakultäten oft Wochen oder Monate warten, bis sie das Placet für eine Berufung erhielten. "Uns alle interessiert brennend: Wer ist künftig der Lordsiegel-Bewahrer?", sagt ein Professor.

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Völlig zerrüttet war zuletzt das Verhältnis zwischen Stiftungsrat und Hochschulrat, der laut Bayerischem Hochschulgesetz wie ein Aufsichtsrat fungiert und den Präsidenten wählt. Das Gremium ist führungslos, seit der Münchner Philosoph Wilhelm Vossenkuhl das Handtuch geworfen hatte. Er war erbost über die "Parallelgesellschaft", die an den Gremien vorbei ein Interimspräsidium bestellte. Weitere Mitglieder folgten ihm. Von den acht externen Posten im Rat sind derzeit nur drei besetzt. Für eine Neubesetzung will sich Gien mit Senat und erweiterter Hochschulleitung beraten. Dass eine nicht-gewählte, vom Träger installierte Präsidentin den Hochschulrat beruft, ist intern umstritten. Doch Gien setzt auf Transparenz: "Ich hoffe, dass die konstruktiven Kollegen sich da mit Ideen einbringen".

Und die Finanzen? Derzeit liegt Vieles auf Eis, sogar Routineanträge werden nicht mehr bewilligt, weil nicht klar ist, wie viel Geld künftig zur Verfügung steht. "Wir stehen zu dieser Universität auch in schlechten Zeiten und werden alles tun, sie nicht nur zu erhalten, sondern auch profiliert weiter zu entwickeln", sagte Marx im November. Die Bischofskonferenz betonte, sie werde die Unterstützung intensivieren, "insbesondere bei der Ausprägung des katholischen Profils und bei der Finanzierung". Doch was heißt das? Wollen die Bischöfe eine forschungsorientierte Universität, die diesen Namen verdient, oder eine katholisch geprägte Lehranstalt. Nur wenn das bald geklärt ist, werden sich überhaupt Kandidaten finden, die das Ruder des angeschlagenen Schiffes übernehmen wollen.