Kulturförderung:Forscher untersuchen Jugendkultur in strukturschwachen Gegenden

Was hilft gegen die Abwanderung Jugendlicher vom Land in die Städte und wie kann ein Schutz vor rechtsextremer Vereinnahmung auf dem Land gelingen, sind Themen einer Untersuchung der Universitäten Bamberg und Eichstätt. Sie wollen dazu selbstorganisierte Projekte im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen betrachten, teilte die Katholische Universität Eichstätt (KU) am Donnerstag mit.

Die Forscherinnen und Forscher wollten sehen, wie Jugendkultur in struktur- und finanzschwachen ländlichen Räumen funktioniere, hieß es. Man werde sich in den Regionen auf die Brauchtums- und Traditionspflege, Musikszenen wie etwa dem Hip-Hop sowie Sport wie Biken oder Skaten konzentrieren. "All diesen Aktivitäten gehen Jugendliche oftmals in Eigenregie nach und gestalten so ihr eigenes Aufwachsen und ihre Region", sagte Professorin Rita Braches-Chyrek vom Lehrstuhl für Sozialpädagogik an der Universität Bamberg. Es könne demokratiestärkende Effekte haben, wenn solche jugendkulturellen Aktivitäten mehr anerkannt würden, sagten Franziska Imhoff (KU) und Tilman Kallenbach (Universität Bamberg), die das Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Mitarbeiter verantworten.

Dies sei deshalb von Bedeutung, weil sich im Dreiländereck Versuche von Rechtsextremen beobachten ließen, Jugendkulturen zu vereinnahmen. Rechte Kampfsport-Events, Konzerte von rechtsextremen Bands, verschwörungstheoretische Demonstrationen oder völkische Zeltlager hätten eine hohe Anziehungskraft auf Jugendliche und stellten eine ernst zu nehmende Gefahr für ein demokratisches Gemeinwesen dar.

Die untersuchten Regionen seien meist in einer angespannten gesamtwirtschaftlichen Lage, erläuterte Andreas Kallert vom Lehrstuhl für Wirtschaftsgeografie der KU. Er will in einem separaten Projekt untersuchen, wie sich die Vorgaben zur Schuldenhilfe für Kommunen auf die Lebensqualität auswirken. In Deutschland würden rund 90 Prozent der Kulturförderung in urbane Räume fließen, in denen aber nur 30 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung lebten, sagte Kallert.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusParagraf 218
:"Wenn jemand schwanger wird, geht es nicht nur um einen persönlich"

Bayerns Familienministerin Ulrike Scharf will den Abtreibungsparagrafen 218 am liebsten so lassen, wie er ist. Sie wirft der Ampelregierung vor, unnötig eine Debatte anzustoßen und Grundwerte in Frage zu stellen. Ein Gespräch.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: