Union streitet um Pkw-Maut Ende der gespielten Harmonie

Die Einigkeit zwischen CDU und CSU hat ein Ende. Seehofer hält im Bierzelt an seinem Lieblingsprojekt fest, der Pkw-Maut. Dabei hat sich Merkel im TV-Duell längst dagegen entschieden. Damit hat sie ihn nach allen Regeln der Kunst auflaufen lassen. Und das kurz vor den Wahlen.

Ein Kommentar von Mike Szymanski

An wohl kaum einem anderen Ort wird so hemmungslos geprahlt wie im Bierzelt. Erst recht, wenn Wahlkampf ist und Politikern dort die Bühne überlassen wird. Bei seinem Auftritt auf dem Gillamoos-Volksfest in Bayern hat jetzt auch CSU-Chef Horst Seehofer den dicken Mann gegeben. "Mia san mia", erklärte er breitbeinig, "uns kann koana was sagen." Die Maut für Ausländer auf deutschen Straßen, von der CSU seit Monaten gefordert, werde sicher kommen.

Blöd nur, dass im Kanzleramt in Berlin eine Frau sitzt, die sich von solch Angebereien nicht beeindrucken lässt. Merkel hat sich beim TV-Duell am Sonntag festgelegt: Mit ihr werde es keine Pkw-Maut in Deutschland geben. Zwei Wochen vor der für die CSU so wichtigen Landtagswahl in Bayern hat Merkel Ministerpräsident Seehofer nach allen Regeln der Kunst auflaufen lassen. Aus Seehofers Lieblingsprojekt ist erst mal die Luft raus wie aus einem platten Reifen. Merkel kann keinen Koalitionsvertrag mehr unterschreiben, in dem das Wort auch nur auftaucht. Sie würde ihre Glaubwürdigkeit verlieren.

Die monatelang gespielte Harmonie zwischen CDU und CSU hat vorerst ein Ende. Merkel hat sich mit ihrem klaren Nein zur Maut Seehofer zum Gegner gemacht. Er vergisst nicht, wer ihm in den Rücken fällt. Vor der Bayernwahl hätte Seehofer Merkels Unterstützung dringend gebraucht. Eine Woche später wird im Bund gewählt - dann braucht Merkel Seehofer.