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Uni Passau:Der Abend der subtilen Spitzen

In Passau diskutiert die umstrittene Unipräsidentin Carola Jungwirth mit ihren beiden Gegenkandidaten

Die umstrittene Präsidentin der Passauer Universität trifft kurz vor der Wahl auf ihre Herausforderer. Das klang nach Spektakel, der Campus ist schließlich seit Monaten gespalten. Carola Jungwirths Fürsprecher fürchten um den Ruf der Uni und keilen gegen die Kritiker, die ihr wiederum schlechte Kommunikation, Kritikunfähigkeit sowie eine falsche strategische Ausrichtung der Uni vorwerfen. Von einem "Klima der Angst" ist die Rede und "autokratischem Führungsstil".

Den großen Showdown bekamen die 250 Gäste, darunter Professoren und Mitarbeiter, bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend zwar nicht geboten. Die Fragen waren abgesprochen, eine Diskussion kam nicht auf. Carola Jungwirth und ihre Passauer Herausforderin Ursula Reutner hielten sich eng an ihre Manuskripte, der Eichstätter Pädagoge Ulrich Bartosch sprach frei. Aber subtile Attacken und atmosphärische Dissonanzen gab es zuhauf.

Inhaltlich unterschieden sich die Kandidaten kaum: Mehr Internationalität, mehr Nachhaltigkeit, mehr Europa, bessere Lehre und mehr Digitalisierung sollen der Uni Passau eine exzellente Zukunft bescheren. Auf die Zwischentöne kam es an: Die sonst so sanft wirkende Kulturwissenschaftlerin Reutner setzte deftige Spitzen: Mehrsprachigkeit und gutes Klima müssten am Campus herrschen, gemeinsam mit Studenten und Fakultäten Entscheidungen getroffen werden, parkettsicher solle die Präsidentin sein. Das saß: Reaktionen auf Jungwirths verunglückte Rede an der Budapester Uni im November 2018 changieren noch immer zwischen Running Gag und Kopfschütteln. Zettel mit Zitaten daraus kursierten am Mittwoch wieder an der Uni. Die Präsidentin setzte auf Charmeoffensive und eine gewürzte Entschuldigung. Dass Unileitung und Studenten seit dem Beschluss des Entwicklungsplans im Sommer 2018 nicht über Inhalte, sondern nur über Kommunikation gesprochen haben, tue ihr "von ganzem Herzen leid", "Frau Rockenmaier hat da sicher auch was abgekriegt". Aber die Studenten müssten schon sagen, worüber sie sprechen wollten. Die studentischen Senatoren Sophia Rockenmaier und Florian Weigl hatten Jungwirth öffentlich kritisiert und wurden dafür so scharf angegangen, dass Rockenmaier sich nicht mehr äußern möchte. Weigl ließ sich aus Frust bei der Hochschulwahl nur für einen hinteren Listenplatz aufstellen. Die Studenten sahen sich zu "Abnickern der Tagesordnung" degradiert. Auch Professoren hatten Jungwirth vorgeworfen, sie treffe Entscheidungen bevorzugt im kleinen Kreis.

Es wurde nicht nur unter den Präsidentschaftskandidaten sondern auch mit Studenten diskutiert, hier Senator Florian Weigl.

(Foto: Tobias Köhler/mediendenk)

Jungwirth hielt dagegen, an der Spitze einer Hochschule stehe man "sehr sehr unter Stress, müsse viele Entscheidungen treffen". Das gute Kommunizieren falle mal hinten runter - und: "Ich bin dabei, zu lernen und gebe mir täglich Mühe." Die Uni brauche jemanden am "Ruder", der "sehr starken Druck sehr gut aushalten kann" und profitiere "ganz immens" von Kontinuität. Ihre Lösung fürs Kommunikationsproblem? Ein "Transmissionsriemen", der Kommunikation von Unileitung mit Studenten, Mittelbau und Fakultäten verbessern solle, außerdem monatliche Treffen. Die Reaktion der Studenten im Saal fielen eher negativ aus: Augenrollen, hämisches Grinsen, angedeuteter Brechreiz. Was dieser "Transmissionsriemen" sein solle, blieb unklar.

Jungwirths Herausforderer buhlten um die Gunst der Studenten. Bartosch ging als Klopfkönig aus der Diskussion - in Universitäten wird nicht geklatscht. Er lobte die Studenten als wahre "Exzellenz" der Uni und könne sich neben einem Mittelbau- auch einen studentischen Vizepräsidenten vorstellen. Das sei in Bayern nicht vorgesehen, aber er wolle für einen Versuch kämpfen, sagte Bartosch. Wie die Wahl ausgehen wird, ist offen. Aber die Furcht der Kritiker vor einem Sieg Jungwirths wächst, zumal das Ministerium am Dienstag die beiden Dienstaufsichtsbeschwerden von Professoren ohne Erläuterung abgelehnt hat. Nicht Studenten und Professoren entscheiden am 17. Juli über den neuen Chef, sondern der Universitätsrat. Zehn der zwanzig Mitglieder sind Externe.