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Ungewöhnliche Karriere:Die Miss und das Messer

Früher Schönheitskönigin, heute Schönheitschirurgin: Sheila Malek.

(Foto: Catherina Hess)

Sheila Malek gewann mit 20 einen Schönheitswettbewerb in Bayern, sie sprang auf dem CSU-Parteitag zum 60. Geburtstag von Edmund Stoiber aus einer Torte und wurde von Klaus Lemke für den Film entdeckt. Ihre eigentliche Berufung aber ist die plastische Chirurgie.

Edmund Stoiber und cool. Wenige Menschen würden mit diesen Begriffen einen Satz bilden. Sheila Malek jedoch bekommt das hin. Und das kam so: Von Passauer Abi-Freunden hatte sich die damals 20-Jährige überreden lassen, im "Vulcano", einer Land-Disco in Aicha vorm Wald, bei einer Miss-Wahl mitzumachen - und prompt gewonnen. Wenig später war sie Miss Bayern und bekam einen Anruf von der CSU: Ob sie nicht Lust habe, beim Parteitag in Nürnberg zum 60. Geburtstag von Edmund Stoiber im kleinen Schwarzen aus einer Torte zu hüpfen, in Abwandlung von Becksteins Kalauer, der Stoiber hätte "lieber eine dicke Akte als eine schlanke Nackte".

"Das kam mir zuerst ganz fremd vor", erzählt Sheila Malek, "aber dann dachte ich mir: Der Stoiber ist ein kluger Kopf, ein erfolgreicher Politiker. Es gibt Schlimmeres, als so einem Mann zum 60. eine Freude zu bereiten." Und so hüpfte sie tatsächlich aus der Torte, nicht ahnend, wie der nicht gerade als Gaudi-Bursche bekannte Jubilar reagieren würde. "Das war echt schräg", sagt die Ex-Miss, "aber er hat so cool reagiert, mich gleich in den Arm genommen und gesagt: 'Jetzt gehen Sie mal mit an unseren Tisch, da stelle ich Ihnen die Frau Merkel vor.' Im Nachhinein ist das noch viel schräger als damals."

Geburtstagsfeier von Stoiber auf CSU-Parteitag

"Im Nachhinein ist das noch viel schräger als damals." Für Edmund Stoiber, damals Ministerpräsident, hüpfte Malek knapp bekleidet aus einer Torte.

(Foto: Claus Felix/dpa)

Zwölf Jahre ist das her. Sheila Malek, 32, würde auch heute noch bei jeder Miss-Wahl sehr gut abschneiden, wäre wohl auch als Schauspielerin erfolgreich gewesen, hat sich aber für eine andere Karriere entschieden: für plastische Chirurgie und Wiederherstellungschirurgie. Eine sehr feine Chirurgie, wie sie erklärt: "Das ist Mikrochirurgie: Nerven und Gefäße nähen. Aber wir kämpfen dagegen an, in die Schönheitschirurgie gesteckt zu werden. Bei uns heißt das ästhetische Chirurgie und ist nur ein kleiner Teil des Jobs." Der Großteil ist: Missbildungen nach Unfällen oder qua Geburt, Weichteildeckung, Knochenmarkverletzungen, Motorradunfälle, Transplantation vom Rücken aufs Bein, solche Sachen. Weit weg von Misswahlen und Geburtstagstorten.

Motiviert von einer Zeichentrickserie

Schon als Kind wollte Malek Chirurgin werden, war Fan der Zeichentrickserie "Es war einmal das Leben", in der kleine Männchen durch den Körper wandern, um Entzündungen und anderes Ungemach zu bekämpfen. "Um 15.03 Uhr kam das immer", sagt sie, "direkt nach der Tagesschau." Schuld war aber auch der Onkel aus Meppen, ihr großes Vorbild: "Ein Oberarzt - und eine Persönlichkeit! Er sagte immer: 'Werde bloß nicht Chirurgin!' Früher hat man eigentlich im Krankenhaus gelebt - davor wollte er mich bewahren." Aber sie ließ sich nicht beirren: Derzeit arbeitet die Münchnerin in St. Gallen im Bereich Brustreproduktion, "das Angelina-Jolie-Thema", sagt Malek. Im Laufe des Jahres wird sie ihre Facharztausbildung an der Klinik in der Nussbaumstraße abschließen.

Ihr Vorbild-Onkel hatte in Istanbul studiert - nach der Flucht aus Teheran. Sheila war sieben Monate alt, als der Schah gestürzt wurde und Ayatollah Chomeini die islamische Revolution installierte. Malek erzählt: "Es war wie im Film Persepolis: Wir sind mit Sack und Pack über die Berge, von einer Minute auf die andere, ohne Abschied." Erst 2005 kehrte sie zurück, als Praktikantin des plastischen Chirurgen Heinrich Schoeneich, der für die Organisation Interplast an der Grenze zu Afghanistan operierte. "Das war meine tollste Reise, mein tollstes Erlebnis", sagt sie schwärmend, "ein eigentlich fremdes und doch so vertrautes Land."

"Ich kam an wie eine Nonne"

Malek ist mit der persischen Kultur aufgewachsen, spricht Farsi und war im vergangenen Jahr erneut in der Heimat, diesmal drei Monate, in Teheran. Wieder schwärmt sie: "Sehr aufregend, sehr verrückt, sehr jung, eine richtige Stadt, mit Smog, westlich orientiert, gegen das Regime." Sie hörte ergreifende Erzählungen von der grünen Revolution damals und erlebte so manche Überraschung: "Obwohl ich Perserin bin, hat man ja trotzdem Vorurteile. Weil man alles nur gefiltert mitbekommt, dachte ich: ,Die kriegen nicht so viel mit.' Ich kam an wie eine Nonne: mit Kopftuch und ohne Nagellack - alle haben sich totgelacht und gesagt: ,Kannst dich entspannen. Alles easy hier.' Die laufen da herum! Mit dem bisschen, was die Frauen zeigen, zeigen die wirklich alles, volles Programm. Und plastische Chirurgie ist dort ein Riesen-Thema." Nur Miss-Wahlen gibt es keine.

Die Wahl zur schönsten Bayerin öffnete der jungen Sheila damals viele Türen. "Ich war gut beschäftigt in den Semesterferien", erzählt sie: Auftritte bei Modenschauen und Betriebsfesten, Glücksfee auf der Kirmes, Werbespots, Moderatorin bei der Bart-WM, kleine Schauspielrollen.

Sie sagt: "Man lernt Dinge kennen, zu denen man nie Zugang hatte. Ich finde Moderation anspruchsvoller als Schauspielerei, ich war da immer viel aufgeregter. Schauspielen ist entspannender. Eine Rolle spielen, das ist, überspitzt gesagt, eine Meditation, bei der man sich treiben lassen kann. Moderation ist kniffliger: Man darf nichts Falsches sagen, niemandem auf den Schlips treten und soll trotzdem interessant bleiben."