Süddeutsche Zeitung

Unfalltod von Regener Landrat:Staatsanwaltschaft prüft Möglichkeit eines Suizids

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In der Nacht zum Mittwoch starb der Regener Landrat Heinz Wölfl bei einem Autounfall. Die Staatsanwaltschaft hat dazu jedoch noch eine Menge Fragen. Auch eine SMS, die der Politiker vor dem Unglück abschickte, könnte womöglich eine Rolle spielen.

Max Hägler

In Bayern gibt es viele Landräte, die so still arbeiten, dass man über Monate nichts von ihnen hört, selbst wenn man ganz nah dran ist an ihnen. Und es gibt Typen wie Heinz Wölfl einer war. Ein selbstkritischer, nachdenklicher, aber wahrnehmbarer Antreiber. Noch im Mai hatte der Landrat von Regen eine Studie vorgestellt, in der er die Zukunft der Region skizzierte.

Als einer der ersten bayerischen Kommunalpolitiker beschäftigte sich der CSU-Politiker mit den Details der demographischen Entwicklung in Südostbayern. "Alles in Ordnung - oder?", schrieb er provokant in dem Papier. Um auf den folgenden Seiten aufzuzeigen, dass alsbald nur noch acht von 24 Grundschulen im Landkreis übrig sein werden und die Bevölkerung bis zum Jahr 2028 um 13 Prozent zurückgehen wird.

Doch Wölfl, der in dieser Woche bei einem Autounfall ums Leben kam, war keiner, der nur lamentierte, wie so viele im Bayerwald. In seiner Studie mahnte er - gerichtet an die eigenen Bürger - dass im Landkreis viel zu wenige Frauen und viel zu wenige ältere Menschen arbeiteten. Das habe mit der gesellschaftlichen Prägung zu tun, urteilte Wölfl damals im SZ-Gespräch.

Damit sich das zumindest im eigenen Haus ändere, hat der Vordenker im Amt sogleich eine private Kita einrichten lassen. Wölfl sei einer gewesen, der den Bayerwald geliebt habe, aber den Blick über den Tellerrand nicht vergessen habe, so schreibt die Passauer Neue Presse in ihrem Nachwort - das trifft es gut. Zugleich schien Wölfl Freude am Leben zu haben: Der Regierungsjurist und Vater dreier erwachsener Kinder spielte Schafkopf und nahm seine Gitarre mitunter zu öffentlichen Veranstaltungen mit. Gemeinsam mit einem befreundeten SPD-Politiker stellte er sich einmal den Fragen einer TV-Wissensshow und gewann immerhin 30.000 Euro.

Elf Jahre leitete Wölfl als Bürgermeister die Stadt Regen, ehe er dann von 1994 an als Landrat in diesem Grenzlandkreis amtierte. Bei der letzten Wahl 2008 hatte er keinen Gegenkandidaten; 85 Prozent der Wähler bestätigten ihn im Amt.

Also wohl ein lebensfroher, anpackender, erfolgreicher Mensch. Und doch können die Ermittler nicht ausschließen, dass er sich das Leben genommen hat. Man untersuche in alle Richtungen, sagt die zuständige Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger. Auch ein Selbstmord komme in Betracht. Einen Abschiedsbrief gibt es nicht.

Womöglich spielt jedoch eine SMS-Nachricht eine Rolle, die der 58-Jährige an eines seiner Kinder geschickt hat, bevor er von der gut ausgebauten Staatsstraße abkam und gegen einen Baum prallte. Gutachter sollen außerdem klären, ob Wölfl unter Alkoholeinfluss stand oder ob vielleicht das Auto einen technischen Defekt hatte.

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Quelle:
SZ vom 19.08.2011/tob
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