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Umweltschutz:Aufgeblüht

Traditionelle Ernte-Pressefahrt

Bauernpräsident Walter Heidl hätte mitreden wollen beim Blühpakt des Umweltministeriums.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Pakt erzürnt Bauernpräsident

Der "Blühpakt", den Umweltminister Marcel Huber (CSU) gegen das Insektensterben ausgerufen hat, kommt gut an. In Schönberg im Landkreis Mühldorf etwa läuft die Aktion "Bienen, Bauern, Bürgermeister". In einem breit angelegten Gemeinschaftsprojekt haben sie dort in Gärten, auf Ackerstreifen, auf freien Bauparzellen und auf anderen Flächen wilde Blumenmischungen ausgesät, damit neue Lebensräume für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten entstehen. "Etwas tun für die Insekten und die Artenvielfalt ist die Aufgabe von einem jeden", sagt der Schönberger Bürgermeister und Landwirt Alfred Lantenhammer. Schöner könnte man das Motto des Blühpakts nicht formulieren.

Nur der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Walter Heidl, gewinnt Hubers Blühpakt wenig ab. In einem geharnischten Brief an den Umweltminister zeigt sich der Bauernpräsident angesichts der Aktion "irritiert, wie Ihr Haus (das Umweltministerium, Anm. d. Red.) zum Eigentum, zu nachhaltigem Wirtschaften und zu den Bauern grundsätzlich steht". Heidl wirft Huber vor, dass dieser den Blühpakt nicht vorab mit dem Bauernverband abgesprochen habe. Dann zählt er all die Verdienste auf, die sich aus seiner Sicht die Landwirte und der Bauernverband im Artenschutz erworben haben. Und zuletzt fordert er Huber auf, "die Zuständigkeit für entsprechende Ziele und Maßnahmen bei den land- und forstwirtschaftlichen Flächen beim Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forstwirtschaft zu belassen, wenn es um die weitere Konzeption des Blühpakts geht".

Heidls Brief dürfte nicht nur im Umweltministerium mit großem Erstaunen zur Kenntnis genommen worden sein. Sondern auch bei Agrarministerin Michaela Kaniber, an die ihn der Bauernpräsident ebenfalls geschickt hat. Denn Hubers Blühpakt tut ja keinem einzigen Bauern weh. Er ist eine rein freiwillige Aktion, bei der nur alle die mitmachen sollen, die mitmachen wollen. Wer nicht beim Blühpakt mitmachen will, der lässt es eben. Außerdem richtet sich die Aktion an die Bevölkerung insgesamt - an Eigenheim-Besitzer und andere Gartenfreunde genauso wie an die Imker und die Jäger, aber auch an Kommunen, Bauhöfe, Firmen und andere mehr - und eben nicht nur an die Bauern.

Im Umweltministerium freuen sie sich derweil sehr über den Erfolg ihres Blühpakts. Seit Huber die Aktion vor sechs Wochen gestartet hat, treffen unablässig Anfragen ein. Die einen wollen wissen, mit welchen Blühmischungen den Insekten am besten geholfen ist, andere erkundigen sich, wie groß Blühstreifen sein sollten, und wieder andere wollen eine Anleitung für den Bau eines Insektenhotels. So groß ist der Andrang, dass sie im Umweltministerium schon überlegen, einen "Blühpakt-Manager" einzustellen.