Oberbayern Schadstoffe, die schon vor Jahren freigesetzt wurden

So ein Grenzwert würde helfen, heißt es auch im Landratsamt, wo man vom Kleinhalten nichts wissen will. Im Gegenteil habe man immer transparent informiert, alles publiziert und alle Fragen "intensiv beantwortet", sagt Klaus Zielinski. Man habe oft und lange diskutiert, was die LGL-Studie für neue Erkenntnisse bringe. Für ihn seien nach wie vor "die gleichen Fragen offen wie seit Jahren".

Zielinski leitet das Büro von Landrat Erwin Schneider, der jetzt "mal den Verursachern auf die Finger klopfen" will. Dyneon greift auch für die Kommunikation auf die Dienste des Chemiepark-Betreibers Infraserv zurück. Dessen Sprecher erklärt, dass der Umgang mit PFOA stets legal gewesen ist. Dyneon habe mit der überall wachsenden Sensibilität für solche Themen im Jahr 2000 Anlagen eingebaut, welche die PFOA-Emission in Luft und Wasser um rund 90 Prozent reduziert hätten. Man kämpfe heute mit den Schadstoffen, die schon vor Jahrzehnten freigesetzt worden seien.

Auch der Aushub für das Burghauser Güterverkehrszentrum ist belastet.

(Foto: Matthias Köpf)

Infraserv selbst hat eine Studie finanziert, wonach die PFOA-Konzentration im Wasser erst etwa 2030 ihr Maximum erreichen wird. Der Chemiepark-Betreiber bezahlt auch Aktivkohlefilter für die kommunalen Wasserversorger. Für Kastl, Burgkirchen und Tüßling baut er im Forst, ein paar Hundert Meter vom Werkszaun entfernt, gerade eine Anlage, im Sommer soll sie fertig sein. Mehrere der nahen Brunnen mussten 2016 geschlossen werden, weil die Behörden den Unbedenklichkeitswert für PFOA im Wasser gesenkt hatten.

Auf lange Sicht soll es für Kastl und Burgkirchen aber neue Brunnen weiter nördlich geben, damit der Chemiepark im jetzigen Wasserschutzgebiet seine Gleisanlagen erweitern kann, sagt Kastls Bürgermeister Gottfried Mitterer. Diese neuen Brunnen werden nicht direkt in der Richtung liegen, in die der Wind den belasteten Feinstaub getragen hat. Die Fichten und Kiefern im Öttinger Forst haben das Gift regelrecht aus der Luft gekämmt. Aus dem Grund stocken bei Burghausen die Bauarbeiten für das neue Güterverkehrszentrum, weil der ausgehobene Waldboden unter Plastikplanen auf seine spezielle Entsorgung wartet.

Im Altöttinger Gesundheitsamt ist Leiter Franz Schuhbeck unterdessen mit den Blutuntersuchungen beschäftigt, die er und das LGL zunächst für überflüssig hielten, weil die Ergebnisse absehbar seien. 46 Bürger kam allein am ersten Tag zur Blutentnahme, mehr als 900 haben sich gemeldet und Termine bekommen. Einer der ersten ist Harald Ritter. Auch er fühlt sich schlecht über das Problem informiert. Daheim in Tüßling diskutierten manche heftig, vielen anderen aber sei es egal.

Das lässt sich auch von den meisten Menschen behaupten, die an dem Abend zur Blutspende beim BRK in Altötting kommen. Sie wissen auch nach dem Gespräch mit dem Arzt nicht, dass das Plasma aus dem Landkreis nicht mehr für Transfusionen an Patienten benutzt wird, sondern nur noch zur Herstellung von Medikamenten. Es sei nicht absolut auszuschließen, dass mit dem Plasma auch PFOA transfundiert werde, heißt es zur Begründung.

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