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Umstrittenes Finanzgebaren:Druck auf Vocke wächst

Jahresempfang vom Bayerischen Jagdverband in München, 2019

Seit inzwischen 25 Jahren steht Jürgen Vocke an der Spitze des Bayerischen Jagdverbandes. Doch nun fordern ihn auch die Jungen Jäger zum Rücktritt auf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Prüfbericht sieht Gesetzesverstöße durch Jagdverbandschef

Der Druck auf den Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands (BJV) und früheren CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Vocke steigt weiter an. Angesichts der massiven Vorwürfe wegen seines Finanzgebarens haben nun auch die Jungen Jäger Bayern Vocke zum Rücktritt aufgefordert. "Ziehen Sie diese unschöne Diskussion nicht unnötig in die Länge", heißt es in einem offenen Brief, den der Landesbeauftragte der Jungen Jäger, Florian Mesz, unterzeichnet hat. "Bereiten Sie durch Ihren Rücktritt den Weg für eine lückenlose Aufarbeitung sowie einen unbelasteten Neustart. Die 47 000 Mitglieder des BJV, die Jägerinnen und Jäger und letztendlich die Jagd im bayerischen Freistaat verdienen eine Führung ohne Fehl und Tadel." Es gehe "um die Zukunft des Verbands, um dessen Glaubwürdigkeit wie auch um die Reputation der Jagd an sich". Die Jungen Jäger, denen jedes BJV-Mitglied bis zum Alter von ungefähr 35 Jahren angehört, zählen etwa 10 000 Mitglieder.

Unterdessen liegt der Bericht des unabhängigen Wirtschaftsprüfers über die Verbandsfinanzen im Jahr 2018 vor. Das Präsidium hatte den Experten auf Forderung der Schatzmeisterin Mechtild Michaela Maurer eingeschaltet, als sie erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten hatte. Das Urteil des Wirtschaftsprüfers ist vernichtend. Er hat seinen Bericht mit einem sogenannten Versagungsvermerk versehen. Der Fachbegriff besagt, dass es im Jahresabschluss 2018 zahlreiche Hinweise auf gravierende Gesetzesverstöße bei der Abwicklung der Verbandsfinanzen gibt - und zwar in allen möglichen Bereichen. Wie schwer die Vorwürfe des Wirtschaftsprüfers sind, kann man schon an zwei Formulierungen in dem Anschreiben an das BJV-Präsidium erkennen, das er seinem Bericht vorangestellt hat. "Ein Versagungsvermerk ist die äußerste Form der Kritik eines Wirtschaftsprüfers an dem zu prüfenden Abschluss", heißt es in dem knapp zweiseitigem Schreiben. Außerdem lägen "ernstzunehmende Hinweise für vergleichbare Gesetzesverstöße auch für die Geschäftsjahre vor und nach dem Berichtszeitraum 2018" vor.

An den Vorwürfen selbst hat sich nichts geändert, der Wirtschaftsprüfer hält sie alle aufrecht. Es geht um die knapp 5000 Euro Aufwandsentschädigung, die Vocke bisher pro Monat steuerfrei und ohne Sozialabgaben für sein Ehrenamt bezogen hat, die Nutzung seines Dienstwagens, die Beschäftigung von Vockes Tochter bei einer Tochtergesellschaft des Jagdverbands, Spesenabrechnungen und dergleichen mehr. Außerdem soll Vocke dem BJV regelmäßig private Kosten in Rechnung gestellt haben, etwa für die Unterbringung seines Dackels in einer Hundepension oder für seine Lieblingskekse. Es geht aber auch um die Abwicklung des Druckauftrags für die Verbandszeitschrift Jagd in Bayern, der ein Volumen von 450 000 Euro im Jahr hat. Nach Überzeugung des Wirtschaftsprüfers haben alle diese Unregelmäßigkeiten und Gesetzesverstöße ein solches Gewicht, dass die Gemeinnützigkeit des Jagdverbands gefährdet ist.

Für den Vorsitzenden des Memminger Jagdvereins, Andreas Ruepp, ist der Bericht des Wirtschaftsprüfers eine Bestätigung. Er gelangte schon früh zu der Überzeugung, dass die Vorwürfe so schwerwiegend sind, dass sie ein Fall für die Staatsanwaltschaft sind. Deshalb zeigte Ruepp Vocke wegen des Verdachts der Untreue und Unterschlagung an. Seit dies im BJV bekannt worden ist, ist Ruepp massiven innerverbandlichen Angriffen ausgesetzt. "Der Bericht des Wirtschaftsprüfers zeigt, dass meine Anzeige richtig war und ist", sagt Ruepp. "Deshalb bleibe ich auch bei meiner Forderung, dass Vocke vom BJV-Vorsitz zurücktreten soll." Vocke selbst wollte sich auf Nachfrage nicht mehr äußern. Noch in der vergangenen Woche hatte der 76-jährige Jurist, der das Amt des Jägerpräsidenten inzwischen 25 Jahre innehat, seinen Rücktritt nicht ausgeschlossen, sollte es zu Versäumnissen gekommen sein.