Umfrage Seehofer und Söder verlieren an Beliebtheit - auch bei eigenen Anhängern

CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bekommen den Streit mit der CDU zu spüren - die Umfragewerte wackeln (Archivbild).

(Foto: dpa)

Der Asylstreit scheint der CSU mehr zu schaden als zu nutzen. Auch CDU und SPD verlieren an Zustimmung.

So schlecht hat ein CSU-Politiker seit zehn Jahren nicht mehr abgeschnitten: Im aktuellen ZDF-Politbarometer ist Markus Söder abgerutscht, der bayerische Ministerpräsident landet auf der Skala von +5 bis -5 nur noch bei minus 0,5, bei der vorhergenden Umfrage, drei Wochen zuvor, lag er noch bei 0,1. Auch Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer wird jetzt mit minus 0,3 (zuvor: 0,3) bewertet und verliert besonders stark bei den Unionsanhängern. Der Asylstreit scheint ihnen mehr zu schaden als zu nutzen.

Wie es in diesem Streit zwischen CDU und CSU weitergeht, ist offen. Zwar konnten sich die Mitgliedsstaaten beim EU-Flüchtlingsgipfel auf Aufnahmeeinrichtungen außerhalb der EU und Flüchtlingszentren innerhalb der Gemeinschaft einigen, doch das Problem der Flüchtlinge an den deutschen Grenzen, die Seehofer notfalls im Alleingang zurückweisen will, wird dadurch noch nicht angegangen.

Auch eine Forsa-Umfrage hat diese Woche gezeigt, dass sich die CSU mit ihrer Beharrlichkeit im Flüchtlingsstreit offenbar schadet. 39 Prozent der Umfrage-Teilnehmer hatten "die CSU" als Antwort auf die Frage genannt, welches das größte Problem in Bayern sei.

Der Bundeskanzlerin scheint der Streit etwas weniger zu schaden als Söder und Seehofer. Angela Merkel liegt im Politbarometer mit 0,9 auf Platz drei (Juni I: 1,1). Am besten schneidet auf der Liste der nach Meinung der Befragten zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker erstmals Cem Özdemir ab. Sein Durchschnittswert liegt unverändert bei 1,1. Platz zwei belegt Olaf Scholz mit ebenfalls unveränderten 1,0. Nach Merkel folgen dann Heiko Maas mit 0,8 (Juni I: 1,0) und Sahra Wagenknecht 0,4 (Juni I: 0,6), Christian Lindner auf 0,3 (Juni I: 0,2), Andrea Nahles auf 0,1 (Juni: 0,2) und Ursula von der Leyen auf 0,1 (Juni I: 0,1).

Angesichts des erbitterten Asylstreits sinkt der ZDF-Umfrage zufolge aber insgesamt die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung. Nach 64 Prozent vor drei Wochen sind insgesamt nur noch 49 Prozent mit der Arbeit der großen Koalition zufrieden. Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl, käme die Union auf 32 Prozent - ein Prozentpunkt weniger als noch vor drei Wochen.

Und auch die Sozialdemokraten leiden: Obwohl sie gar nicht im Zentrum der Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU steht, verliert die SPD sogar zwei Zähler auf 18 Prozent. AfD und Grüne legen hingegen jeweils um einen Prozentpunkt auf 14 Prozent zu. Die FDP steigert sich um einen Prozentpunkt auf neun Prozent. Die Linke stagniert bei zehn Prozent.

Gut ein Viertel der Befragten glaubt, dass aufgrund des Zerwürfnisses in der Migrationsfrage die Regierung aus Union und SPD zerbricht. 58 Prozent würden begrüßen, dass in Folge des Streits CDU und CSU künftig bei Wahlen in Deutschland künftig getrennt antreten. 58 Prozent der Befragten befürworten die Forderung der CSU, Flüchtlinge, die bereits in anderen EU-Ländern registriert sind, zukünftig an der deutschen Grenze zurückgewiesen. Gut zwei Drittel (68 Prozent) glauben aber nicht, dass das in der Praxis funktioniert.

Die Interviews wurden in der Zeit vom 25. bis 28. Juni 2018 bei 1290 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben.

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