Ude gegen Seehofer Die rote Gefahr

Er könnte "Stimmen sammeln wie ein Staubsauger": Bei der CSU geht die Angst um - sollte Münchens OB Christian Ude wirklich gegen Ministerpräsident Horst Seehofer antreten, kann er für die Partei zum echten Problem werden.

Von Mike Szymanski

Es ist eine Vorstellung, die die Landespolitik elektrisiert: ein Duell zwischen Christian Ude, dem SPD-Politiker und Münchner Erfolgs-OB gegen CSU-Chef Horst Seehofer. Zwei politische Schwergewichte im Kampf um die Macht in Bayern. Bisher war es in der Regel so, dass die CSU zu allererst an sich selbst gescheitert ist. Nicht ein Außenstehender hat sie in die Knie gezwungen, der Gegner saß in den eigenen Reihen: Überheblichkeit, Machtverliebtheit, Selbstzufriedenheit. Ernstzunehmende Konkurrenz? Abgesehen von Achtungserfolgen wie Anfang der neunziger Jahre unter Renate Schmidt: Fehlanzeige.

Horst Seehofer im ARD-Sommerinterview vor dem Reichstag in Berlin. Nun könnte er in Bayern ernstzunehmende Konkurrenz durch die SPD bekommen - das gab es vorher nicht.

(Foto: dpa)

Wenn Ude gegen Seehofer antreten sollte, im Moment sprechen mehr Gründe dagegen als dafür, dann könnte die CSU bei der Landtagswahl 2013 tatsächlich ein Problem bekommen. Sorgsam hat man in der CSU Udes Äußerungen verfolgt, ihm von den Lippen abgelesen und die Worte hin- und hergedeutet. "Da kann man sehr gelassen sein, mit der SPD wird Herr Ude maximal stellvertretender Oppositionsführer hinter Frau Bause", gab Generalsekretär Alexander Dobrindt die Sprachregelung vor. Das Problem ist erstmal zu verharmlosen.

Tief in der CSU fallen die Reaktionen allerdings anders aus. Da ist sorgenvoll von einem Kandidaten die Rede, den man in jedem Fall "ernst nehmen müsse", einer, der zu Seehofer "auf Augenhöhe" stehe - und wann hatte die Opposition zuletzt ein solches Schwergewicht aufzubieten? Die beliebte Renate Schmidt fällt dann vielen noch ein, aber das ist schon lange her. "Ude gibt der Opposition wieder ein Gesicht", sagt einer aus der CSU-Spitze.

Und genau dieses Gesicht fehlt den Angreifern bislang. Die Grünen wissen nicht, mit wem sie in die Wahl ziehen sollen. Der Machtwechsel in Baden-Württemberg gelang auch deshalb, weil die Grünen im Nachbarland mit Winfried Kretschmann einen klaren Anführer hatten. In Bayern wäre die Aufgabe auf Sepp Daxenberger hinausgelaufen. Nach dem Tod des Politikers ist ein Vakuum entstanden, das die Grünen nicht zu füllen vermögen.

Fehlendes politisches Personal ist auch einer der Hauptgründe für den desolaten Zustand der Bayern-SPD insgesamt. Ude könnte der neue Anführer sein - wenn er denn diese Rolle annimmt und die Opposition Teamgeist entwickelt sollte. Es sind noch sehr viele Unbekannte in der Gleichung, auch der berechtigte Hinweis aus dem Regierungslager: Wenn überhaupt, dann nähmen sich SPD und Grüne untereinander Stimmen weg. Aber eines steht fest: Ude ist im ganzen Land bekannt und beliebt.

Die CSU hofft, dass Ude noch einen Rückzieher macht

Es gab Zeiten, da führte Ude in den Beliebtheitsskalen für Politiker im Freistaat vor Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, was zwar nicht schwer aber doch immer wieder überraschend war. Bei der jüngsten Umfrage vom Januar - das BR-Politmagazin Kontrovers hatte fragen lassen - kam nur Karl-Theodor zu Guttenberg vor Ude, und Seehofer landete auf dem abgeschlagenen zehnten Platz. "Zumindest im CSU-Kernland Oberbayern könnte Ude Stimmen sammeln wie ein Staubsauger", befürchtet ein Spitzenfunktionär.

Auch Ude kann für "Laptop und Lederhose" stehen - die prosperierende Landeshauptstadt ist sein Leistungsnachweis. Die CSU hat sich andererseits zwar stabilisiert, aber von der alten Stärke ist sie noch weit entfernt. Und Horst Seehofer hat zwar an Ansehen gewonnen, verehrt wird er aber nicht.

Um die CSU in die Opposition zu schicken, müsste die SPD nicht unbedingt einen Erdrutschsieg einfahren, ein paar Prozente Erholung bei stabilen Partnern könnten womöglich schon den Machtwechsel, die Zeitenwende in Bayern, herbeiführen. Mit Ude an der Spitze wäre die Bayern-SPD deutlich attraktiver. Die Frage ist nur, ob Ude mit der SPD im Nacken dann noch so attraktiv für die Wähler wäre wie heute. Die CSU will es lieber nicht wissen und hofft, dass Ude noch einen Rückzieher macht.