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TV-Debatte der kleinen bayerischen Parteien:Ein ungleiches Duo gegen den FDP-Minister

Bause, Zeil, Aiwanger, TV-Duell Landtagswahl Bayern

Margarete Bause, eingerahmt von Martin Zeil (rechts) und Hubert Aiwanger. Bei der TV-Debatte gab es keinen eindeutigen Sieger.

(Foto: dpa)

Eine muntere TV-Debatte liefern sich die Spitzenkandidaten der kleinen bayerischen Parteien. Margarete Bause von den Grünen verbündet sich mit Freie-Wähler-Chef Aiwanger gegen FDP-Minister Zeil. Der gibt ganz souverän den Macher - bis eine aktuelle Umfrage hereinplatzt. Am unsouveränsten agiert allerdings der Moderator.

Und dann kommen die Zahlen. Mehr als eine Stunde hatte Martin Zeil, der bayerische Wirtschaftsminister und FDP-Spitzenkandidat den großen Macher gegeben. Beinahe jede seiner Antworten begann mit: "Da waren wir sehr erfolgreich" oder "das haben wir geschafft" oder "das machen wir sehr gut". Zeil und die FDP, Alleskönner, so die Botschaft. Doch unter dem gelben Balken der Partei des Alleskönners steht ganz deutlich: 3.

Während des TV-Dreikampfes der kleinen bayerischen Parteien wird eine aktuelle Umfrage veröffentlich. Danach liegt die CSU zehn Tage vor der Landtagswahl in Bayern weiter deutlich vor der Opposition. Die Christsozialen kommen auf 47 Prozent Zustimmung, ein Wert, der für die absolute Mehrheit reichen würde.

Die SPD konnte allerdings in den vergangenen Tagen ein wenig zulegen. Lagen die Sozialdemokraten bei den letzten Umfragen lediglich bei 18 Prozent, kommen sie jetzt auf 21 Prozent. Allerdings verloren zugleich die Grünen etwas, sie erreichten in der Umfrage elf Prozent. Die Freien Wähler kommen auf sieben Prozent. Und die FDP: auf drei.

Kurzzeitig wirkt Zeil da etwas verunsichert. Mit seiner ruhigen, souveränen und bestimmten Art zu sprechen, mit seinem Idiom, das ihn als Mitglied der oberbayerischen Oberklasse ausweist, mit diesem Zeil-Sound, der irgendwo zwischen Gemütlichkeit und Saturiertheit liegt, hat er die TV-Debatte bis dahin versucht zu kontrollieren.

Der Freistaat ist spitze in so gut wie allen Politikbereichen, das wiederholt Zeil so lange, bis es unfreiwillig komisch wird. Als ihn Moderator Sigmund Gottlieb fragt, was die größten Probleme im Schulbereich in Bayern seien, antwortet Zeil tatsächlich: "Da haben wir große Fortschritte gemacht." Und schiebt schnell hinterher: "Wir haben die Probleme, die uns die CSU-Alleinregierung hinterlassen hat, schon zu einem großen Teil gelöst."

Ein bisschen wirkt Zeil während der Debatte bei all der Selbstbeweihräucherung wie ein Möchtegern-Seehofer. Dabei vergisst er allerdings hin und wieder zu betonen, dass es aus seiner Sicht natürlich vor allem die FDP ist, die in dieser Regierung die Impulse setzt. Einer, der Zeil nicht kennt, hätte ihn über weite Strecken für einen CSUler halten können.

Es ist ein munterer aber immer fairer TV-Streit zwischen Zeil, Margarete Bause, Spitzenkandidatin der Grünen, und Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler. Gestritten wird über den Breitbandausbau, die Steuerpolitik oder die Energiewende.

Immer wieder verbünden sich Bause und Aiwanger gegen Zeil, schwingen drohend den Zeigefinger, reden gleichzeitig auf den so zufrieden wirkenden Wirtschaftsminister ein. Viel zu langsam komme man zum Beispiel beim Ausbau von schnellen Internetleitungen voran. Bayern habe hier Riesen-Aufholbedarf, sagte Bause.

Viel Kreativität braucht Zeil beim Kontern dieser Anwürfe nicht. Er spult einfach immer wieder sein Standardprogramm ab, erläutert, was bereits auf den Weg gebracht wurde und feuert zwischendurch ein paar Spitzen vor allem in Richtung Bause ab.

Doch die hält dagegen. Zusammen mit Aiwanger hält sie dem FDP-Minister ein miserables Management der Energiewende vor. Schwarz-Gelb wolle wohl wieder zurück in die alten Strukturen, mutmaßt Bause. Zeil wirft der Grünen-Politikerin daraufhin "energiepolitische Ahnungslosigkeit" vor.