Bayern kämpft mit der TrockenheitWarum Firmen kostenfrei Grundwasser fördern dürfen

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Der Altmühltaler Mineralbrunnen im Logistikzentrum in Treuchtlingen
Der Altmühltaler Mineralbrunnen im Logistikzentrum in Treuchtlingen Foto:  Uwe Ritzer
  • Während Bayern mit Trockenheit kämpft, darf Altmühltaler 650 000 Kubikmeter Grundwasser kostenlos fördern und als Mineralwasser verkaufen.
  • Die Stadt Treuchtlingen bezieht ihr Trinkwasser über eine teure Fernleitung, obwohl vor Ort genug Grundwasser vorhanden wäre.
  • Der Bund Naturschutz kritisiert, dass Unternehmen kostenfrei Tiefengrundwasser entnehmen, während kommunale Versorger ihre Entnahmen reduzieren müssen.
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Tiefengrundwasser gilt als besonders kostbar. Doch Unternehmen bedienen sich an dem kostbaren Nass und verkaufen es teuer als Mineralwasser. Naturschützer fordern von der Politik mehr Kontrolle.

Von Uwe Ritzer, Treuchtlingen

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„In Treuchtlingen“, sagt Martin Geilhufe, „kann man beispielhaft sehen, was in Bayern wasserpolitisch schiefläuft.“ Mit Mitstreitern aus dem Bund Naturschutz (BN) steht der Landeschef der Organisation am Ufer der Altmühl unter blühenden Kastanienbäumen neben einem kleinen Biergarten, der geschlossen hat. Denn das Areal ist eine Baustelle. Der Mineralwasserriese Altmühltaler, Teil des Aldi-Konzerns, lässt hier einen Graben ziehen und darin eine Leitung verlegen, durch die Grundwasser aus Brunnen am Rande der Kleinstadt in die Fabrik im Stadtzentrum fließen soll, wo es als Mineralwasser abgefüllt wird.

Die Naturschützer vor Ort kritisieren die Trassenführung, die ihrer Ansicht nach das Wurzelwerk der Kastanienbäume gefährdet. Der BN insgesamt hadert generell mit den Umständen. Denn während Bayern in diesem Frühjahr mit Trockenheit kämpft und „die Grundwasserreserven immer stärker unter Druck geraten“ (Geilhufe), würden Politik und oft auch Behörden eine fatale Sorglosigkeit an den Tag legen.

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Treuchtlingen sei dafür ein Paradebeispiel. Altmühltaler, von der Unternehmerfamilie Schäff gegründet und Ende 2022 an Aldi Nord verkauft, darf hier 650 000 Kubikmeter Grundwasser kostenlos fördern, um es als Mineralwasser zu verkaufen oder damit Limonaden zu mischen. Die 500 000 Kubikmeter Trinkwasser, welche die Menschen in der Stadt jedes Jahr brauchen, werden über eine Fernleitung aus dem etwa 50 Kilometer entfernten Lech-Donau-Mündungsgebiet bei Genderkingen herangeschafft.

Als stünde nicht im Wasserhaushaltsgesetz, dass der öffentliche Wasserbedarf aus ortsnahen Vorkommen zu decken ist und Fernwasser nur dort genutzt werden soll, wo vor Ort nicht genug vorhanden ist. In Treuchtlingen zahlen die Haushalte für das Fernwasser höhere Wassergebühren als jene im Umland. Während Altmühltaler für das Wasser bislang nichts bezahlt.

Frühere Bürgermeister und Stadträte seien dafür verantwortlich und hätten so „Herrn Schäff zum Milliardär und die Stadt Treuchtlingen zum Armenhaus gemacht“, sagt BN-Aktivist Karl-Heinz Schork. Tatsächlich pfeift Treuchtlingen finanziell aus dem letzten Loch, während Aldi Nord 2025 gut 31 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet hat. Das fördere das Ungerechtigkeitsempfinden in der Bevölkerung, sagt BN-Landeschef Geilhufe. Altmühltaler darf auch 250 000 Kubikmeter Tiefengrundwasser entnehmen, das sehr sauber und mit 10 000 Jahren auch sehr alt ist.

Sechs kommunale Wasserversorger, die sich in denselben Grundwasserschichten bedienen, reduzieren ihre Entnahmen, weil die Tiefengrundwasserstände stetig sinken. Altmühltaler entnimmt hingegen weiter so viel wie bisher. Ein von der Firma bereits 2022 angekündigter Ausstieg aus der Tiefengrundwasserentnahme lässt auf sich warten.

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Auch bei Adelholzener im Landkreis Traunstein gibt es Streit um die gewinnbringenden Entnahmen des Allgemeinguts Wasser durch die Mineralwasserfirma. Der BN nennt es „ein Grundproblem in Bayern, dass Wasserressourcen wirtschaftlich genutzt werden, während die öffentliche Versorgung zunehmend auf Fernwasser gestützt wird“. Und damit auf das Prinzip, Wasser aus nassen Gegenden in trockene zu pumpen. Was im ersten Moment logisch und nachvollziehbar erscheint, erweist sich in der Praxis als zunehmend problematisch. Beispiel Alpen: Weil im Winter immer weniger Schnee fällt, fließt im Frühjahr immer weniger Schmelzwasser aus den Bergen etwa in den Rhein oder den Bodensee. Dort aber will sich der Freistaat für die künftige Wasserversorgung des trockenen Nordbayern bedienen.

Wir erleben inzwischen eine extrem lange Zeit mit viel zu wenig Niederschlägen
Martin Geilhufe

Verschärft werde die Situation durch die Erderwärmung, so der BN. Allein, weil bei höheren Temperaturen mehr Wasser verdunstet. Hinzu kommt die immer größere Trockenheit. 2025 war das zweittrockenste Jahr in Bayern seit 1976. Der April 2026 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes einer der regenärmsten seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen, im März gab es nur halb so viele Niederschläge wie im langjährigen Durchschnitt. Auch der Januar war zu trocken; lediglich im Februar regnete es mehr als sonst. „Wir erleben inzwischen eine extrem lange Zeit mit viel zu wenig Niederschlägen“, sagt BN-Landeschef Geilhufe, deswegen gerieten „die Grundwasserreserven in Bayern gerade massiv unter Druck“.

Der BN drängt die Landespolitik zum Handeln. Der Wassercent, der ab Juli eingeführt wird, sei ein untaugliches Instrument, weil er zu viele Ausnahmen zulasse. Zahlreiche Entnehmer mit eigenen Brunnen würden zu wenig oder gar nicht kontrolliert, der Freistaat verlasse sich einfach auf deren Angaben; grundsätzlich sollten jedoch alle Nutzungen erfasst werden, hieß es. Die Naturschützer fordern von der Politik mehr Steuerung. Und wenn Unternehmen, wie in Treuchtlingen Altmühltaler, das sich nur schwer regenerierende Tiefengrundwasser entnehmen, sollen sie dafür auch „besonders hohe Entgelte“ bezahlen.

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