Treffen von Seehofer und Kretschmann Anpfiff für 2013: Spiel läuft, Ball rollt

Die Landeschefs Horst Seehofer und Winfried Kretschmann treffen sich beim Frauenfußball in Augsburg - das befeuert die Debatte um künftige schwarz-grüne Koalitionen.

Von Frank Müller und Mike Szymanski

Am Sonntag spielen in Augsburg wieder die Frauen Fußball - und es hat nichts Abwertendes festzustellen, dass auch zwei Männer im Augsburger Stadion mit viel Aufmerksamkeit rechnen können: Auf der Tribüne beim Spiel der Schwedinnen gegen die Frauen aus Australien sitzen nämlich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und sein baden-württembergischer Amtskollege WinfriedKretschmann. Nachdem Seehofer die traditionelle Südschiene zwischen den beiden Ländern nach der Abwahl der dortigen CDU schon für erledigt erklärt hatte, ist es der erste Gipfel zwischen den beiden.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und sein baden-württembergischer Amtskollege Winfried Kretschmann treffen sich in entspannter Atmosphäre.

(Foto: dpa)

Die Südschiene lebt also auf - und dazu blühen die Spekulationen: Markiert das Treffen zwischen CSU-Mann Seehofer und Grünen-Star Kretschmann den Auftakt zu neuen politischen Konstellationen auch in Bayern, nämlich für Schwarz-Grün? Noch sind es zwei Jahre bis zur Landtagswahl. Aber der Ball rollt. Die SZ zeigt , wer gerade mit welcher Aufstellung auf welches Tor spielt.

Das Spiel auf Sieg

Da mag CSU-Chef Horst Seehofer flirten, mit wem er will: Mal nach Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause mit den Worten rufen: "Wo ist denn meine Frau Bause?"; mal FDP-Regierungsvize Martin Zeil, "dem Martin", freundschaftlich die Schulter tätscheln. In die Wahlen 2013 geht die CSU eindeutig als Einzelkämpferin und sie kennt nur eine Strategie: Angriff. Es ist, wenn man so will, Seehofers Spiel des Lebens. Führt er die CSU noch einmal in die absolute Mehrheit zurück oder findet sich seine Partei nach Jahrzehnten womöglich sogar auf der Oppositionsbank wieder?

Wie rücksichtslos Seehofer sein kann, hat er seinem Koalitionspartner FDP im Bundestagswahlkampf 2009 bewiesen. Da ließ er keine Gelegenheit aus, die FDP und besonders Martin Zeil zu attackieren - das eine oder andere böse Foul inbegriffen, das schließlich mit einem miesen Wahlergebnis für die CSU geahndet wurde. 2013 wird Seehofer dennoch wieder Härte zeigen. Die Landtagswahl in Bayern ist für die CSU wichtiger als die Bundestagswahl. Nur ein gutes Ergebnis hier sichert ihr die Sonderrolle, in Berlin mehr sein zu dürfen, als ein bayerischer Regionalverband der Union. Das heißt, Seehofer kennt im Wahlkampf keine Freunde - weder in Bayern noch in Berlin. Wem auch immer er mit seiner CSU also gerade schöne Augen macht, der Angehimmelte sollte sich in Acht nehmen.