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Traunstein:Das zweite T

Politik und Pixel

Von Matthias Köpf, Traunstein

Obwohl es ihn noch gar nicht gibt, könnte der "Campus Chiemgau" in Traunstein durchaus schon was sein, wofür sich auch der zuständige Staatsminister begeistert. Bernd Sibler jedenfalls sei davon "begeistert", hieß es dieser Tage vermutlich vollkommen zutreffend aus dem Traunsteiner Landratsamt. Dieses belegte Siblers Begeisterung mit einem Foto, das ("von links") den Traunsteiner Oberbürgermeister Christian Hümmer, den Wissenschaftsminister Sibler sowie Landrat Siegfried Walch beim Lächeln zeigt. Auf einer eingeblendeten Präsentation im Hintergrund ist vom Campus Chiemgau als "Leuchturmprojekt des Landkreises Traunstein" zu lesen, und wahrscheinlich hätte sich außer den alleraufmerksamsten Betrachtern niemand gefragt, ob der Landkreis Traunstein mit diesem Campus jetzt einen Leuch-Turm oder einen Leucht-Urm errichten will. Außerdem sind Medienkonsumenten - ja, auch Zeitungsleser - Tippfehler leider sowieso gewohnt. Irgendein alleraufmerksamster Betrachter muss das Landratsamt aber darauf hingewiesen haben, dass dem Leuchturmprojekt ein T fehlt. Dieses T hat das Landratsamt einen Tag später in einer weiteren Mitteilung ("hat sich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen") auf einem neuen Foto nachgereicht. Darauf lächeln wieder Hümmer, Sibler und Walch. Sie tun es wieder von links und auch sonst komplett gleich, nur ihre Mienen scheinen sich noch ein bisschen aufgehellt zu haben - womöglich, weil jetzt im Hintergrund der Campus Chiemgau völlig korrekt als "Leuchtturmprojekt des Landkreises Traunstein" aufscheint. Rätselfreunde, die es gewohnt sind, die berühmten zehn Fehler im zweiten Bild zu suchen, müssten da jetzt insgesamt sogar auf elf Unterschiede kommen, denn der eine Fehler mit dem einen T fällt ja weg. Dafür stehen Hümmer, Sibler und Walch nun etwas gröber gerastert im Bild, da werden sich schon ein paar falsche Pixel finden. Der Leuchtturm soll übrigens auf einer großen Brachfläche in der Nähe des Traunsteiner Bahnhofs entstehen und dort Studiengänge und Handwerk, Theorie und Praxis sowie Forschung und regionale Wirtschaft verbinden.

© SZ vom 17.10.2020

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