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Traunstein:Ärger um Klassenfahrt

FFF-Aktivisten fühlen sich zu unrecht bestraft

Wie Schulleiter mit Fridays-for-Future-Demonstranten umgehen, ist in Bayern höchst unterschiedlich. Eine Vorgabe aus dem Ministerium gibt es nicht. Am Traunsteiner Chiemgau-Gymnasium erheben Aktivisten nun schwere Vorwürfe gegen ihre Schulleiter. Weil drei Zehntklässler am 29. November an der Klimademonstration teilnahmen und zwei Schulstunden verpassten, dürften sie nicht an einer Berlinfahrt teilnehmen, sagt ein Vertreter von "Parents for Future", dessen Tochter ebenfalls betroffen ist. Die viertägige Reise in die Hauptstadt im Januar ist ein Angebot der Landeszentrale für politische Bildung. Die Eltern hatten bereits Einverständniserklärungen unterschrieben und waren wie ihre Kinder davon ausgegangen, dass diese mitfahren dürfen. Dann sei der Tochter kurz vor der Demonstration erklärt worden, sie gehe entweder demonstrieren oder fahre nach Berlin. Für den Vater ist das eine Bestrafung des politischen Engagements der Jugendlichen.

Von Bestrafung will man im Chiemgau-Gymnasium nichts hören: Schüler mussten sich bewerben und weil das Interesse deutlich größer gewesen sei als die Zahl der Plätze, habe man "kriterienorientiert" ausgewählt. "Wer unentschuldigt gefehlt hat, egal aus welchem Grund, darf nicht mitfahren", sagte Konrektor Markus Gnad. "Schüler, die an solchen Zusatzangeboten teilnehmen, müssen sich an Regeln halten." Die drei 15-Jährigen seien nicht die einzigen, die nicht mitfahren dürfen. Die Entscheidung sei mit allen Gremien der Schule besprochen worden.

Die Betroffenen finden diese Argumentation absurd. Ein politischer Ausflug sollte politisches Engagement auch in der Auswahl berücksichtigen. "Wir werten die Maßnahme gegen die Schülerinnen und Schüler als einen Versuch, politische Partizipation zu unterdrücken", sagte Sebastian Krüger, 21, von der FFF-Gruppe Traunstein. "Während meiner Generation vor einem Jahr noch vorgeworfen wurde, politikverdrossen zu sein, werden nun ausgerechnet die bestraft, welche sich politisch engagieren." Die Gruppe werde versuchen, "gegen die Entscheidung vorzugehen".

Aus dem Kultusministerium hat das Chiemgau-Gymnasium keinen Gegenwind zu befürchten. Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte zum Schuljahresbeginn erklärt, dass die Schüler ihr Ziel nun erreicht hätten und es keinen Grund mehr dafür gebe, mit Regelverstößen Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zum Konflikt am Traunsteiner Gymnasium will er sich am Freitag nicht äußern. Piazolo verweist wie in den vergangenen Monaten auf die Schulpflicht und das bayerische Unterrichtsgesetz. Im Gesetz stehe alles drin, sagte Piazolo. Die Schulleiter entscheiden, wie sie mit demonstrierenden Jugendlichen umgehen und welche Ordnungsmaßnahmen angemessen sind. Direktoren dürfen laut Artikel 86 Jugendliche auch von einer "sonstigen Schulveranstaltung" ausschließen, "soweit andere Erziehungsmaßnahmen nicht ausreichen".

© SZ vom 21.12.2019 / angu, soas

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