Tragfähigkeit von Eis Risse im Wasserkristall

In den letzten Tagen sind zahlreiche Menschen auf Seen ins Eis eingebrochen. Denn: Die Tragfähigkeit der Oberfläche ist kaum berechenbar. Nur Faustregeln bieten etwas Sicherheit.

Von Hanno Charisius

Wie belastbar eine Eisdecke ist, hängt fast ausschließlich mit ihrer Dicke zusammen. Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes nennt als absolute Untergrenze fünf Zentimeter Eis, damit eine einzelne Person nicht einbricht. Ab acht Zentimetern trägt die gefrorene Schicht auch Gruppen.

Eine Eisfläche muss mindestens fünf Zentimeter dick sein, damit sie das Gewicht eines Erwachsenen tragen kann.

(Foto: Foto: dpa)

Ein Auto könnte ab 18 Zentimetern Eisdicke über einen zugefrorenen See fahren. Fließende Gewässer sollten jedoch erst bei mindestens 15 bis 20 Zentimeter Eisdicke betreten werden. Voraussetzung ist immer, dass die gesamte Eisfläche auf dem Wasser aufliegt und sich keine Luft darunter befindet.

Außerdem sei wichtig, dass nur die Eisdecke gemessen wird und nicht auch noch das oberflächliche Schneeeis, heißt es in einem Merkblatt des bayerischen Landesamts für Wasserwirtschaft.

Christoph Uhl von der DRK-Wasserwacht betont, dass dies die Minimalanforderungen seien und in manchen Gewässern mehr Eis nötig ist, um zu tragen. Bewegtes Wasser etwa gefriert langsamer als stehendes. Die für die Freigabe zuständigen Regionalbehörden müssen daher in der Nähe von Zuflüssen oder wenn ein Kanal einen See durchquert Sicherheitszuschläge einrechnen, denn an diesen Stellen taut das Eis auch rascher wieder weg.

Die Farbe des Eises spielt bei diesen Faustregeln keine Rolle. Mit der Menge der eingeschlossenen Luft ändert Eis nämlich sein Aussehen. Weißes Eis enthält viele Bläschen, durchsichtiges, blaues oder grünes Eis ist dagegen arm an Lufteinschlüssen. Diese Blasen bilden "Störstellen" im Eis, sagt der Kristallograf Werner Kuhs von der Universität Göttingen.

Die Bruchmechanik solcher Eisflächen zu berechnen, sei jedoch eine "finstere Wissenschaft", viel zu aufwendig für die Alltagsanwendung und auch gar nicht notwendig, da die Richtlinien der Behörden ausreichend große Sicherheitsreserven vorsehen müssten. Kanadische Behörden berücksichtigen hingegen beide Eisarten, wenn sie die Tragfähigkeit der sogenannten Winter Roads bestimmen. Diese Verkehrswege sind nur im Winter befahrbar, wenn Flüsse und Seen zugefroren sind.

Damit Volksfeste wie das Alstervergnügen in Hamburg auf dem Eis statt finden können, braucht es aber noch strengeren Frost als in den vergangenen Tagen über Deutschland lag. Zuletzt wurden im Jahr 1997 Glühweinbuden auf der Alster aufgebaut, seither waren die Winter zu mild. 1996 war das Volksfest nachts von der Polizei geräumt worden, weil Risse im Eis aufgetreten waren und Tauwetter einsetzt hatte. Laute Musik ist auf dem Eis untersagt. Die rhythmischen Bewegungen tanzender Menschen könnten das Kristallgitter des Eises brechen lassen.

Winter in München

Sie laufen immer noch