Tradition in Bayern Karteln mit dem Staatsanwalt

Schafkopf gilt im Gegensatz zum Watten als Strategie- und nicht als Glücksspiel.

(Foto: Sebastian Beck/OH)
  • Gegen den Veranstalter eines Kartler-Turniers kann wegen illegalen Glücksspiels ermittelt werden.
  • Wer als Siegerprämie Geld auslobt und keine Sachpreise, kann Ärger mit den Beamten bekommen.
  • Mit Geldpreisen verstoßen private Veranstalter gegen den Paragrafen 284 des Strafgesetzbuchs.
Von Hans Kratzer

Konrad Kaser ist ein geselliger Mensch und ein leidenschaftlicher Kartenspieler. Aus Freude am Karteln organisiert er schon seit 40 Jahren Watt- und Schafkopfturniere. Bis vor Kurzem ist alles reibungslos verlaufen, jetzt aber hat Kaser ein ernsthaftes Problem am Hals. Das am vergangenen Wochenende angesetzte Watt-Turnier im Lauber Sportheim (Gemeinde Regenstauf) hat ihm eine anonyme Anzeige beschert: Kaser soll für ein illegales Glücksspiel geworben haben, weshalb gegen den bislang unbescholtenen Unternehmer ermittelt wird. Weil er ein Watt-Turnier organisiert hat, ist er nun "Beschuldigter in einem Strafverfahren".

Kaser fiel aus allen Wolken, als ihn die Polizeiinspektion Regenstauf mit der Anzeige konfrontierte. Hunderte Watt-Turniere fänden jährlich in Bayern statt, dass dabei gegen Recht und Gesetz verstoßen werde, davon habe er noch nie etwas gehört, sagt er. "Im juristischen Sinne kann das Watten dann als ein Glücksspiel bewertet werden, wenn die Spieler einen Einsatz bezahlen, der an den Sieger ausgeschüttet wird", erklärt Erich Rohrmayer, Verfasser mehrerer Bücher über Kartenspiele.

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Im Gegensatz zum Schafkopfen, das als reines Strategiespiel gilt, mutiert das Watten aus zwei Gründen vom Strategie- zum Glücksspiel: Erstens werden im Gegensatz zum Schafkopfen nicht alle Karten an die Spieler ausgegeben, zum anderen könne durch die Möglichkeit des Ausschaffens geblufft werden. Ein Spieler kann seine Gegner psychologisch unter Druck setzen und somit auch mit schlechteren Karten gewinnen.

Für Kaser erwies es sich als fatal, dass er das Preis-Watten mit Plakaten beworben hatte, auf denen angekündigt war, die besten Kartler dürften 200, 100 und 50 Euro Preisgeld einstreichen. Damit verstieß er gegen den Paragrafen 284 des Strafgesetzbuchs. Kaser reagierte sofort: Er ließ die Veranstaltung noch schnell von der Gemeinde Regenstauf genehmigen und nahm seine Plakate wieder zurück. Statt der Geldpreise gab es bei dem Turnier nur noch Sachpreise, und die Teilnehmer zahlten statt eines "Einsatzes" einen "Unkostenbeitrag", womit dem Gesetz Genüge getan war. Die Anzeige gegen Kaser bleibt trotzdem bestehen.

Nach diesem Fall werden die Veranstalter von Watt-Turnieren ihre Modalitäten künftig stärker prüfen müssen als bisher. In vielen Fällen wurden Watt-Turniere bislang, selbst wenn es Geldpreise zu gewinnen gab, mehr oder weniger geduldet. Im Internet sind nach wie vor Dutzende Ankündigungen zu finden, auf denen Teilnehmer mit Geldpreisen zu Watt-Turnieren gelockt werden. Quasi nach dem Motto: wo kein Kläger, da kein Richter.

Der Bayerische Gemeindetag teilte auf Nachfrage mit, man habe sich mit diesem Problem bisher kaum auseinandersetzen müssen. Auch der Landkreistag konnte keine konkreten Angaben zu der Problematik in Regenstauf machen. Und ähnliche Fälle seien nicht gemeldet. Für Kaser steht zumindest eines fest: "Ab sofort ist das Watten ebenso genehmigungspflichtig wie ein Fest."