Bayerische Tracht im WandelLederhose? Gar nicht so traditionell wie gedacht

Lesezeit: 2 Min.

Das Textilmuseum in Augsburg hat 2025 Dirndl aus verschiedenen Epochen gegenübergestellt.
Das Textilmuseum in Augsburg hat 2025 Dirndl aus verschiedenen Epochen gegenübergestellt.
Foto: Ulf Vogler/dpa
  • Die heute als bayerische Tracht bekannte Lederhose stammt ursprünglich aus der alpinen Region und verbreitete sich erst ab dem mittleren 19. Jahrhundert durch Trachtenvereine in ganz Bayern.
  • Das Dirndl kam um 1900 aus Österreich in Städte wie München und entwickelte sich seit den 1960er- und 1970er-Jahren zur beliebten Festtagskleidung.
  • Trachtenträger verbinden mit der Kleidung heute vor allem Heimat, Identität und Zugehörigkeit, wobei sich die Mode sowohl in klassischen als auch modernen Varianten weiterentwickelt.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Bald ist es wieder so weit: Wiesn-Zeit – und damit Lederhosen-Zeit. Doch so althergebracht wie viele denken, ist dieses Kleidungsstück gar nicht. Ein kleiner Rundgang durch die Geschichte der Tracht.

SZ bei Google bevorzugen

Pünktlich zum Start der Wiesn in München bietet sich jährlich das gleiche Bild: Tausende Menschen stürmen ab dem Moment der Eröffnung das Festgelände und strömen in die Zelte. Fast ausschließlich tragen sie Dirndl und Lederhosen. Die Trachtenmode ist vom weltweit größten Volksfest nicht wegzudenken. Doch woher kommt sie und wofür steht sie bei den Trägern? Eine Spurensuche.

„Das, was wir heute als bayerische Tracht im Kopf haben, trat seinen ersten Siegeszug im mittleren 19. Jahrhundert an. Zu dieser Zeit wurde in Bayern für die Tracht regelrecht Propaganda gemacht“, sagt Katrin Weber, Leiterin der Trachtenforschungs- und -beratungsstelle des Bezirks Mittelfranken. Das Königshaus habe sich in Trachtenmode malen lassen und der Fremdenverkehr im Alpenraum sei aufgekommen – inklusive Postkarten mit Trachtenmotiven.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Doch was zu dieser Zeit bereits eine Mode war, hatte ursprünglich mit ganz Bayern überhaupt nichts zu tun, weiß Alexander Wandinger. „Die Lederhose trug früher die ländliche Bevölkerung in der alpinen Region“, sagt der Trachtenfachberater bei der Heimatpflege des Bezirks Oberbayern. Erste Abbildungen von ihr würden aus der Zeit um 1800 stammen. Das heute so populäre Kleidungsstück sei eine verkürzte Kniebundhose und habe sich über die Trachtenvereine in Bayern verbreitet.

Darin hätten sich von etwa 1900 an hauptsächlich junge Männer zusammengeschlossen. Offizielles Ziel sei der Erhalt der Lederhose gewesen. „Wobei es natürlich auch um das Zusammensein und die Gemeinschaft ging“, sagt Wandinger. Als auch Frauen integriert wurden, wurde das klassische Miedergewand mit Rock, das zwischen 1880 und 1900 in Mode war, als Tracht in die Vereine integriert. Klar unterscheiden müsse man das Mieder mit Rock vom Dirndl. „Das wiederum kam um 1900 in Städten wie München in Mode und stammt aus Österreich“, sagt Wandinger.

Nach einem vorübergehenden Tief sei die Tracht nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgelebt, da sich zu diesem Zeitpunkt die Trachtenvereine wieder neu gegründet haben. „Seit den 1960er- und 1970er-Jahren hat sich Trachtenmode dann zur Festtagskleidung entwickelt“, sagt Wandinger und freut sich über den Aufschwung, den sie in den vergangenen Jahren erlebt. Kritisch betrachtet er dagegen, wenn die Trachtenmode politisch aufgeladen wird.

Geschichte der Tracht
:Wie das Dirndl zum bayerischen Parade-Kleid wurde

„Tradition goes Fashion“ heißt die neue Sonderausstellung des Industrie- und Textilmuseums Augsburg. Sie zeigt, wie Medien und der Tourismus Dirndl und Tracht weltbekannt machten –  und Modelle aus den Sissi-Filmen bis zur Königin von Schweden.

Von Florian Fuchs

Auch Weber begrüßt die Trachtenwelle und hat eine Theorie zu ihrem Hintergrund: „Die aktuelle Generation ist die erste, die die Globalisierung in vollen Zügen genießen konnte. Oft kehren die Menschen nach einem Aufenthalt in der Ferne nach Hause zurück und entdecken ihre Wurzeln neu.“ Das drücke sich dann darin aus, dass sie auch der Trachtenmode aufgeschlossen gegenüberstehen. „Fragt man bei Trachtenträgern, warum sie diese Kleidung tragen, hört man oft die Schlagworte Heimat, Identität, Tradition und Zugehörigkeit“, sagt Weber.

Gerade in Franken, wo die eigentliche Tracht mit der Lederhose ursprünglich nichts zu tun hat, würden sich vor allem Männer wieder mehr für die regionaltypische Tracht interessieren. Bei den Männern besteht sie laut Weber meist aus einem langen schwarzen Gehrock, einer roten Weste, einem schwarzen Dreispitz und einer Kniebund- oder Latzhose aus Stoff. Eine Bänderhaube, ein Kittelgewand und ein faltenreicher knöchellanger Rock machen mehrheitlich die fränkische Tracht der Frauen aus.

Sowohl die fränkische als auch die bayerische Trachtenmode befinde sich außerhalb der Trachtenvereine im Wandel. „Es gibt heute von allem klassische und moderne Varianten. Das begrüße ich – ich bin nicht die Trachtenpolizei“, sagt Weber und ist sich damit mit Wandinger einig. „Es gibt nicht die Tracht. Tracht drückt Zugehörigkeit aus und ist Mode, die emotional aufgeladen ist“, sagt er.

© SZ/DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Heimatfotografie
:Hardcore-Bilder aus dem Bayerischen Wald

Das Leben hat den Menschen in diesem kargen Landstrich Ostbayerns viel abverlangt. Martin Waldbauer zeigt es in seinem neuen Bildband.

SZ PlusVon Sebastian Beck

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: