Tourismus Wie Bad Tölz mit Wellness und Hotels groß rauskommen wollte

Die Marktstraße von Bad Tölz zieht viele Gäste an. Wenn sie allerdings in der Stadt übernachten wollen, ist das gar nicht so leicht.

(Foto: Manfred Neubauer)
  • Nach dem Ende der alten Sozialkur vor 22 Jahren kämpft Bad Tölz noch immer mit dem Strukturwandel.
  • Inzwischen gibt es nicht mehr genügend Hotels, die modernen Qualitätsansprüchen genügen.
  • Das Konzept der "Neuen Tölzer Hotelkultur" scheint gescheitert, andere Pläne gibt es bislang nicht.
Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Für Touristen hat die Stadt Bad Tölz so manches zu bieten. Da sind die pittoresken Giebelhäuser der Marktstraße, der verträumte Kurpark, der Sportpark auf der Flinthöhe mit Eisstadion, Kletterhalle, Skaterpark und Sportjugendherberge, der Blomberg mit Skipiste und Sommerrodelbahn. Nur eines hat die traditionsreiche Kurstadt nicht mehr: genügend Hotels, die modernen Qualitätsansprüchen genügen. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Das Konzept der "Neuen Tölzer Hotelkultur", das unter anderem Hotels im Luxussegment und ein Wellness-Spa vorsah, ist jetzt gescheitert. Einen Plan B hat man im Rathaus nicht.

Nach dem Ende der alten Sozialkur vor 22 Jahren kämpft Bad Tölz noch immer mit dem Strukturwandel. Die Schockstarre infolge der Seehoferschen Gesundheitsreform währte fast anderthalb Jahrzehnte, bis Michel Maas kam. Der ehemalige Geschäftsführer des Kempinski-Hotels in München unterbreitete 2011 die Idee der Neuen Hotelkultur, die Bürgermeister Josef Janker (CSU) und der Stadtrat bereitwillig aufgriffen. Das Konzept fußte auf den Pfeilern Seminar und Tagungen, Wellness und Spa - und eben neuen Hotels. Das Zielpublikum waren Urlauber, die auch etwas für ihre Gesundheit tun und alles selbst bezahlen. Ein eher betuchtes Klientel sollte den Sozialkurgast von einst ersetzen.

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Während sich die Stadt ans Werk machte und als Projektentwickler die Firma Redserve aus Innsbruck engagierte, verwandelte sich das Kurviertel immer weiter in eine teure Schlafsiedlung. Altehrwürdige Sanatorien verschwanden, moderne Wohnblocks entstanden. Die Jodquellen AG, der größte Grund- und Immobilienbesitzer im Bäderteil, änderte ihre Philosophie. In Tölz sei man fortan kein Badbetreiber mehr, sondern eine Immobiliengesellschaft, verkündete Geschäftsführer Anton Hoefter.

Ende 2014 wurde das Hotel Jodquellenhof mit gut 170 Betten geschlossen, ein halbes Jahr später folgte das benachbarte Erlebnisbad "Alpamare". Daneben starben kleinere Häuser und Pensionen einen leisen Tod, weil Gäste ausblieben oder sich kein Nachfolger fand oder beides. Inzwischen, sagt Bürgermeister Janker, "fehlen um die 500 Betten". Komme eine größere Reisegruppe an, die zusammen in einem Haus übernachten wolle, müsse sich Kurdirektorin Brita Hohenreiter oftmals nach Übernachtungsmöglichkeiten in den Nachbargemeinden umsehen.

Große Hoffnungen richteten sich deshalb auf die Firma Arcus aus Innsbruck, die als Hotelinvestor von Redserve vermittelt wurde. Ihre Pläne auf einer Wiese nahe der Tölzer Stadtklinik gingen zunächst ins Große: Zwei Luxushotels mit insgesamt 220 Zimmern sollten dort entstehen, dazu ein Konferenzgebäude, ein kleines Spa, Läden und Sportstudios, daneben fünf Wohnblocks zur Querfinanzierung. Davon blieb am Ende jedoch wenig übrig.

Es gibt keinen Investor mehr

Weil all dies für Arcus denn doch eine Nummer zu groß in Bad Tölz war, wurde alles nochmals überplant. Heraus kam eine Bettenburg mit 170 Zimmern, wie sie so ähnlich oft in der Nähe eines Messegeländes steht. Dagegen zogen Anwohner zu Felde und starteten voriges Jahr ein Bürgerbegehren, das noch vor dem Verwaltungsgericht München anhängig ist. Die Zusammenarbeit mit Arcus hat die Stadt inzwischen ausgesetzt. Die Hotelpläne des österreichischen Bauträgers würden nicht weiterverfolgt, "das hat er auch akzeptiert", sagt Janker. Was aber nicht bedeute, dass sich die Stadt überhaupt von einem Hotelbau auf dem Grundstück verabschiedet habe. Nur gibt es dafür jetzt keinen Investor mehr.

Geplatzt sind auch die Träume vom Spa "Natura Tölz", das zwar nicht als Ersatz, aber als Nachfolger des Alpamare gedacht war. Ganz in der Nähe des neuen Hotels sollte dieses Wellnessbad am Isarufer stehen, das auf Sportkinesiologie beruhen und fünf Saunen bieten sollte, die nach den chinesischen Elementen Holz, Feuer, Metall, Wasser und Erde gestaltet sein sollten. Erst nachdem der Architektenwettbewerb schon beendet war, hörte die Stadt dazu auch potenzielle Badbetreiber an. Das ernüchternde Ergebnis der Gespräche: Das Spa ist nicht wirtschaftlich zu führen, am falschen Standort geplant und hat längst zu viele Konkurrenten im Oberland. Daraufhin beschloss der Stadtrat, die Pläne für das Tölzer Spa aufzugeben.

Eine neue Idee, wie die Zukunft der traditionsreichen Kurstadt aussehen könnte, gibt es nicht einmal in Ansätzen. Auch Bürgermeister Janker weiß darauf keine Antwort. So hat Bad Tölz eben weiter seine Marktstraße, seinen Sportpark, seinen Blomberg. Und jedes Jahr mehr und mehr Tagesausflügler. Aber die brauchen ja kein Hotel.

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