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Tourismus:Mittenwald und Großaktionär streiten um Karwendelbahn

Eröffnung der Bergwelt Karwendel

Bei der Karwendelbahn geht es immer weniger um Touristen als vielmehr um den Streit der Hauptaktionäre.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Zwischen der Gemeinde Mittenwald und der Konsortium GmbH, dem Betreiber der Karwendel-Bahn, eskaliert der Streit.
  • Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung wollten beide Seiten die jeweils andere ausschließen, zudem soll jeder Beschluss angefochten werden.
  • Die Gemeinde will weiteren Geschäften des Chefs des Betreibers nachgehen.

Vom Tragseil hängt bei einer Seilbahn alles ab. Bei der Karwendelbahn von Mittenwald hinauf zum Dammkar ist es 48 Millimeter dick, und weil es an den Stützen besonders beansprucht wird, muss es immer wieder mal um ein paar Meter weiter gezogen und neu gespannt werden. Dieser Tragseilverzug ist bei der Karwendelbahn spätestens im November fällig, einen weiteren Aufschub werden die Behörden kaum dulden. Für die Bahn ist der Tragseilverzug existenziell - und damit eine ideale Waffe im seit Monaten tobenden Streit der Hauptaktionäre. Denn das Verhältnis zwischen der Konsortium AG und der Marktgemeinde Mittenwald ist mindestens so angespannt wie das Tragseil.

In einer außerordentlichen Hauptversammlung der Karwendelbahn haben die beiden Hauptaktionäre nun nach achtstündiger Sitzung versucht, den jeweils anderen von der Abstimmung ausschließen zu lassen. Zugleich haben beide und auch fast alle anderen Aktionäre angekündigt, jeglichen Beschluss ohnehin anzufechten. Solche Beschlüsse sind in der fast zwölfstündigen Versammlung irgendwann auch gefallen: Die vom Heidenheimer Geschäftsmann Wolfgang Reich kontrollierte Konsortium AG setzte mit ihrer Aktienmehrheit die Wahl von drei Aufsichtsräten durch.

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Die Gemeinde erwirkte eine umfangreiche Sonderprüfung, um das Handeln des ebenfalls von Reich dominierten Vorstands sowie eventuelle Geschäfte mit der Konsortium AG und mit mehr als zwei Dutzend anderen Gesellschaften aus Reichs Umfeld zu durchleuchten. Unter anderem geht es dabei um Gold im Wert von bis zu 200 000 Euro, das nach Vorstands-Angaben zwischenzeitlich im Safe der Karwendelbahn lagerte.

Für solche Transaktionen interessieren sich auch Anleger von anderen Reich-Gesellschaften, die den Geldflüssen in dem Firmengeflecht nachspüren und sich eigens Aktien der Karwendelbahn besorgt hatten, um an der Hauptversammlung teilnehmen zu können. Reich ist 2013 unter anderem wegen Marktmanipulation zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden und hätte daher bei der Karwendelbahn nicht Vorstand werden dürfen, wie er es zeitweise gewesen ist. Er hat die Konsortium AG vor einigen Jahren übernommen, als diese schon Mehrheitsaktionärin der Bergbahn war. Mit dem reinen Seilbahn-Geschäft ist für Reich kaum Geld zu verdienen, während die Gemeinde die Bahn auch ohne Gewinn als Touristenmagneten braucht.

Seit Reichs Einstieg häufen sich die Querelen mit der Bauaufsicht sowie die Gerichtsverfahren. Das Amtsgericht in Garmisch hat zuletzt einen Mitarbeiter verurteilt, weil er einem inzwischen vom Aufsichtsrat in den Vorstand gewechselten Reich-Getreuen auf den Fuß getreten sein soll. Auch ihren Antrag auf Sonderprüfung hatte die Gemeinde per Gerichtsentscheid auf die Tagesordnung der Hauptversammlung gebracht.

Das Landgericht München wird bald zum zweiten Mal über eine Klage des zweiten Bürgermeisters und Karwendelbahn-Aufsichtsrats Gerhard Schöner verhandeln. Er geht gegen die Bestellung des Vorstands und gegen einen nicht näher definierten Vertrag über 180 000 Euro mit der Konsortium AG vor. Über beides hat der Aufsichtsrat in Schöners Abwesenheit entschieden, wobei die Reich-Seite ihm und der Gemeinde vorwirft, den längst überfälligen Geschäftsbericht und existenzielle Beschlüsse wie den zum Tragseilverzug durch Fernbleiben zu blockieren. Die Gemeinde hingegen hält all das für operative Angelegenheiten, für die allein der Vorstand zuständig sei.

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