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Ärger um ein Denkmal:Gruselschloss Neuschwanstein

Schloss Neuschwanstein

Schaurige Geschichten sind seit Jahren aus dem Schloss zu hören. Im November soll ein neuer Chef anfangen - und für Ruhe sorgen.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa)

Mobbing, Rassismus und betrunkene Gäste, die in die Gemächer urinieren: Was ist los in Bayerns wichtigster Touristenattraktion?

Es geschah am letzten Samstag im Juli, mitten in der Hauptsaison. An so einem Tag besichtigen bis zu 7000 Menschen aus aller Welt das Schloss Neuschwanstein. Am Nachmittag um Viertel nach drei brach Unruhe unter den Besuchern und Mitarbeitern aus. Vier Feuerwehr-Fahrzeuge, ein Polizeiauto und ein Rettungswagen rasten mit Blaulicht den Schlossberg hoch. Feueralarm. Die Brandmeldeanlage hatte wegen Rauches im Verwaltungstrakt angeschlagen. Die Chefin des Hauses hatte in der Mikrowelle eine Breze anbrennen lassen.

Der Einsatz war nach einer Stunde beendet, es entstand kein Schaden. Dennoch waren die Leute von der Freiwilligen Feuerwehr Schwangau nicht begeistert über diesen unnötigen Zwischenfall. Erstens wurden sie aus ihrem Sommerfest gerissen. Zweitens war es nicht das erste Mal, dass die Schlossherren Essen anbrennen ließen. "Wir haben zum Ausdruck gebracht, dass wir das nicht lustig finden", sagt Feuerwehr-Kommandant Siegfried Janta.

Schloss Neuschwanstein Neuschwanstein - Ärger im Märchenschloss
Neuschwanstein

Neuschwanstein - Ärger im Märchenschloss

Eine neue Chefin sollte auf Schloss Neuschwanstein die Personalfehden befrieden - das hat nicht geklappt. Ihr abgesägter Stellvertreter zieht gegen sie vor Gericht   Von Stefan Mayr

Kann es einen symbolischeren Zwischenfall geben? Alarm auf Schloss Neuschwanstein!? Jedenfalls kann man seit der Brutzel-Brezel nicht mehr behaupten, dass die verbeamteten Manager der bayerischen Schlösser auf der nationalen Ikone Neuschwanstein alles im Griff haben und nichts anbrennen lassen.

Es gibt viele neue unappetitliche Horrorgeschichten aus dem Schloss, von denen der Füssener Landtagsabgeordnete Paul Wengert (SPD) berichtet. Ihm zufolge habe ein Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma einer dunkelhäutigen Reinigungskraft zugerufen: "Nigger, mach die Türe zu!" Diese Beleidigung hätten zahlreiche Schlossbesucher mitgehört. Einmal sollen die Security-Leute sichtlich betrunkene Gäste ins Schloss gelassen haben, diese hätten dann in die Gemächer uriniert und mussten von Führern rausgeworfen werden. Ein Security-Mann soll alkoholisiert zum Dienst erschienen sein, einer soll Besucherinnen mit anzüglichen Bemerkungen belästigt haben.

All das sind Geschehnisse, die Bayerns wichtigste Touristenattraktion in keinem guten Licht erscheinen lassen. Mit den Vorwürfen konfrontiert, antwortet die Bayerische Schlösser-Verwaltung (BSV) ausweichend. "Es gibt keine konkreten Hinweise, die die genannten Vorwürfe bestätigen", schreibt sie. Um dann zu berichten, dass der Objektleiter der Security-Firma seines Postens enthoben wurde, dass ein anderer Mitarbeiter freigestellt wurde, dass es eine Abmahnung und eine Kündigung gab. Ganz schön drastische Maßnahmen, die wohl nicht ohne Grund ergriffen wurden.

1,5 Millionen Besucher aus aller Welt

Was ist da los auf Neuschwanstein? Das Schloss des bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. ist weltweit ein Symbol für ganz Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es wohl kaum ein Gebäude, das berühmter ist. Reichstag und Brandenburger Tor? Olympiagelände, Frankfurter Römer? Nichts davon erreicht global die Symbolkraft und Bedeutung des entrückten Türmchen-Baus in den Allgäuer Alpen. 1,5 Millionen Besucher lassen sich pro Jahr durch die Schloss-Gemächer führen. Der Freistaat macht also mächtig Kasse auf Neuschwanstein und trägt auch eine große Verantwortung in Sachen Außenwirkung.

Schloss Neuschwanstein Auf den Spuren der Königin
Neuschwanstein

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Ein Jahr lang war sie gesperrt, jetzt ist die beliebte Marienbrücke bei Schloss Neuschwanstein wieder begehbar.

Diese Verantwortung liegt seit 2011 bei Finanzminister Markus Söder (CSU), ihm untersteht die Schlösserverwaltung. Zugespitzt formuliert: Auf Neuschwanstein zeigt sich, ob der ehrgeizige Söder das Management eines international bedeutenden Objekts beherrscht. Neulich ließ er sich gut gelaunt auf der frisch restaurierten Marienbrücke mit Blick aufs Schloss ablichten. Doch dass sein Wirken auf dem wichtigsten Besuchermagneten im Besitz des Freistaats bislang viel Luft nach oben lässt, konnte er nicht weglächeln.

SPD-Mann Wengert kritisiert den Möchtegern-Ministerpräsidenten jedenfalls scharf: "Herr Söder hat die Schlösserverwaltung offenbar nicht im Griff, deren Spitze in München ist mit ihrer Aufgabe wohl völlig überfordert." Tatsächlich sind die Brutzel-Brezel und die Sprüche des Wachpersonals nicht die ersten peinlichen Dinge, die in den vergangenen Jahren in den königlichen Gemäuern passierten.