Tote Fische in der Kürnach:Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bürgermeister

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Emmering: Anfischen / D'Wörthseefischer angeln Emmeringer See

Im Flüsschen Kürnach bei Würzburg sind Dutzende Fische verendet.

(Foto: Johannes Simon)

Drei Fischsterben in drei Jahren im Flüsschen Kürnach - das machte die Würzburger Staatsanwaltschaft stutzig. Nun wird gegen die Gemeinde Estenfeld und ihren Bürgermeister ermittelt. Offenbar erstickten die Fische wegen falsch entsorgtem Abwasser.

Von Katja Auer

Dreimal schon sind im Flüsschen Kürnach bei Würzburg die Fische verendet, zuletzt holten Umweltschützer im Mai 2013 mehr als zwei Dutzend tote Bachforellen aus dem Wasser. Auch 2012 und 2011 gab es ein Fischsterben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Würzburg. Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen bestätigte, dass Untersuchungen gegen die Gemeinde Estenfeld und ihren Bürgermeister Michael Weber (CSU) laufen.

Offenbar stammten die Abwässer, die das Flüsschen so stark verschmutzten, dass die Fische erstickten, aus einem Regenrückhaltebecken der Gemeinde. Bürgermeister Weber wollte sich am Montag nicht zu den Vorwürfen äußern und verwies auf das laufende Verfahren. Im Oktober 2012 hatte er im Bayerischen Rundfunk noch angezweifelt, dass die Verunreinigung aus dem Regenrückhaltebecken stammen könnte. Das sei eine "technisch einwandfreie Anlage", hatte er gesagt, "die hat noch nie Probleme gemacht."

Die Ermittlungen würden noch einige Wochen andauern, sagte der Oberstaatsanwalt. Eine Anzeige habe es nicht gegeben, "aber drei Fischsterben, das ist Grund genug", sagte Raufeisen.

Die Gemeinde Estenfeld entsorgt ihr Abwasser über ein Mischsystem, in dem Regenwasser und das Schmutzwasser aus den Haushalten in einem gemeinsamen Kanalsystem in die Kläranlage geleitet werden. Regnet es viel und die Kanalisation ist voll, soll ein Regenrückhaltebecken Entlastung bieten. Dann können Abwässer - entsprechend verdünnt - auch direkt in einen Fluss geleitet werden. Das sei ganz normal, sagt Axel Bauer, der Chef des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg. Die Gemeinde erhalte entsprechende Auflagen, beispielsweise muss nach starken Regenfällen die Kanalisation überprüft werden. Warum es trotzdem zu der Verunreinigung kam, ist noch nicht klar.

Bauer sagt aber auch, dass die Gemeinde Estenfeld ihr Kanalsystem derzeit überprüfen muss. Die Genehmigung, dass entsprechend gemischtes Abwasser in die Kürnach geleitet werden darf, sei 2010 abgelaufen und dann jeweils um ein Jahr verlängert worden. Um wieder eine längerfristige Erlaubnis zu erteilen, müsse die Gemeinde erst entsprechende Unterlagen vorlegen und das Kanalsystem möglicherweise nachrüsten. Die Kürnach habe sich unterdessen wieder erholt, sagte Bauer.

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