Süddeutsche Zeitung

Tipps zum Umgang mit Alkohol:Den Kater überlisten

Lesezeit: 3 min

Weihrauchtabletten und ein Glas Olivenöl: Der Mediziner Peter Schleicher erklärt, wie der Kater nach einem intensiven Oktoberfestbesuch vermieden werden kann - und wie sich Ärzte auf den Morgen danach vorbereiten.

Manuela Antosch

"Früher war ich ein treuer Bierzelt-Apostel", bekennt der Münchner Arzt Peter Schleicher. Doch der Immunologe und Kater-Spezialist geht seit Jahren nicht mehr auf die Wiesn, höchstens mittags mal für eine Ente - zu lärmig und zu stressig. Über Bier, Alkohol und Kater weiß er trotzdem immer noch Bescheid.

sueddeutsche.de: Herr Dr. Schleicher, für die Leber ist die Wiesn eine Herausforderung. Wie viele Kater verträgt der Körper in den zwei Wochen?

Peter Schleicher: Oh, also ich würde sagen: drei maximal. Aber man sollte sich da wirklich gut vorbereiten.

sueddeutsche.de: Wie bereitet man sich vor? Mit einem Schweinsbraten?

Schleicher: Ja, deftig essen - und ölig. Ölsardinen oder ein deftiger Braten mit Fett sind besser als ein Filetsteak. Ich rate den Leuten sogar, ein Gläschen Olivenöl zu trinken. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass das Öl den Darm auskleidet und so der Alkohol in geringeren Mengen und gleichmäßiger aufgenommen wird. Und es ist viel vernünftiger, wenn die Leute aufs Bayerische zurückgreifen und nur Bier trinken, aber keinen Schnaps.

sueddeutsche.de: Macht Bier nicht einen besonders schlimmen Kater?

Schleicher: Es gibt in der Tat Unterschiede in der Katerqualität: Am wenigsten Kater kriegt man auf Wodka. Je reiner also ein Alkohol ist, desto besser. Bier macht ein bisschen mehr Kater als ein reiner, trockener Wein.

sueddeutsche.de: Warum?

Schleicher: Weil da viele Begleitstoffe drin sind. Je süffiger ein Bier ist, desto untergäriger ist es, das heißt es ist nicht zu Ende gegärt. Der Augustiner Edelstoff ist meiner Meinung nach das beste Bier der Welt, aber er macht am nächsten Tag schon ein bisschen Kopfweh.

sueddeutsche.de: Kann man mit Medikamenten vorsorgen?

Schleicher: Wenn man weiß: "Ich muss jetzt fünfmal auf die Wiesn gehen", dann kann man vorher Weihrauch einnehmen, den gibt es in der Apotheke. Am besten sollte man schon einen Tag vorher damit anfangen. Und zwar dreimal vier Tabletten am Tag, das ist gegen das Hirnödem.

sueddeutsche.de: Hirnödem?

Schleicher: Bei einem Kater schwillt das Hirn an und man kriegt ein Hirnödem. Das passiert deshalb, weil der Alkohol im Körper ein Hormon blockiert. Dieses sogenannte Antidiuretische Hormon sorgt normalerweise dafür, dass das Wasser im Körper behalten wird. Immer wenn wir Alkohol trinken, scheiden wir einen Liter mehr Flüssigkeit aus, als wir getrunken haben. Das heißt: Wir dicken ein. Das Blut verdickt, es gibt eine Stauung in den Organen. Dann schwellen sie an und es gibt das Ödem.

sueddeutsche.de: Klingt nicht gerade gesund.

Schleicher: Diesen Prozess muss man sehr ernst nehmen, das ist ein hohes Risiko. In München gibt es mehrere Wirte, die einen Schlaganfall erlitten haben, weil sie diesen Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen haben. Da trinkt man mit den Stammgästen um ein Uhr nachts noch eine Runde Schnaps, dann wird das Hormon blockiert, die Ausscheidung beginnt - also die bieseln einen Liter mehr als sie getrunken haben - und in der Früh wachen sie auf mit einem Schlaganfall, weil das Blut so dick war, dass das Gefäß verschlossen wurde.

sueddeutsche.de: Das heißt also: viel trinken?

Schleicher: Ja, zwischendurch immer Mineralwasser trinken, am besten zweimal eine Flasche auf ex. Der wichtigste Ratschlag für ein gezieltes Kampftrinken: Bevor man ins Bett geht, noch mindestens einen Liter magnesiumreiches Mineralwasser trinken. Das machen auch die professionellen Trinker unter den Ärzten. Wir lassen uns immer große Pötte Mineralwasser bringen und werfen da noch Brausetabletten mit Kalzium hinein. Dann ist man am Morgen eigentlich relativ fit.

sueddeutsche.de: Und wenn nicht? Was kann man tun, wenn der Kater plagt?

Schleicher: Also dieses alte Ding, dass man dann saure Fische isst, das hat wenig Effekt. Das Beste ist eigentlich, man isst basisch. Man könnte also ohne weiteres Pommes essen oder andere Kartoffelgerichte. Oder ein luftiges Omelette mit basischem Gemüse wie Zucchini zum Beispiel oder ein Kartoffel-Omelette mit Speck. Die Leber giert förmlich nach Regeneration, da braucht's Eiweiß. Und dazu viele Kräuter, Petersilie hat sehr viele Elektrolyte.

sueddeutsche.de: Und dann möglichst schnell zurück aufs Sofa.

Schleicher: Nein, anschließend empfehle ich einen Fußmarsch. Man sollte so schnell gehen, dass man leicht schwitzt. Oder Sauna, Dampfbad. Das reinigt den Körper noch mal richtig.

sueddeutsche.de: Also kein Weißwurstfrühstück mit Weißbier?

Schleicher: Das ist überhaupt nicht sinnvoll! Weißwürste ja, das ist ein feines Eiweiß. Der Senf ist auch geeignet, er durchblutet die Magenschleimhaut und hat viele Elektrolyte. Aber auf alle Fälle keinen Alkohol. Da läuft man die Gefahr, dass man wirklich zum Alkoholiker wird.

sueddeutsche.de: Zum Oktoberfest kommen Menschen aus der ganzen Welt. Sind die unterschiedlich kateranfällig?

Schleicher: Die ausgepichten Russen, die sehr viel Wodka in sich rein geschüttet haben, vertragen fünfmal mehr als wir. Und die Japaner sind überhaupt keinen Alkohol gewohnt und können ihn nicht verarbeiten. Die haben ein Enzym weniger und nach der ersten viertelten Maß kriegen sie einen roten Kopf.

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