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Tierschutz:Rindertransport-Verbot nach Russland gefordert

Die Landtags-SPD fordert die Staatsregierung auf, den Transport von Rindern nach und durch Russland von sofort an zu verbieten. Der Grund ist, dass die Versorgungsstellen für die Tiere entlang der Exportrouten wegen der Corona-Krise geschlossen sind. "Die Transporte sind mit ungeheuren Strapazen für die Tiere verbunden", sagt die SPD-Abgeordnete Ruth Müller. "Deshalb sind die Versorgungsstationen an der Strecke enorm wichtig." Nur an ihnen könnten die Rinder zum Füttern und Tränken entladen werden. "Tierschutz endet nicht an der Grenze, Landwirtschafts- und Umweltministerium müssen an einem Strang ziehen und ihrer Verantwortung gerecht werden."

Die Exporte von Nutztieren in ehemalige Sowjetgebiete, nach Nordafrika und in die Türkei schlagen immer wieder hohe Wellen. Denn auf ihnen müssen die Rinder tagelang Hitze oder Kälte erdulden, sie haben kaum Platz auf den Lkw, bekommen viel zu wenig zu trinken und zu fressen. An den Zielorten werden sie früher oder später unter meist grausamen Bedingungen geschlachtet. Deutschlandweit weigerten sich seit Anfang 2019 Amtstierärzte, die für die Transporte notwendigen Papiere auszustellen. Der Landshuter Landrat Peter Dreier (FW) zählte bundesweit zu den ersten Politikern, die gegen die umstrittenen Exporte mobil machten. Auch Umweltminister Thorsten Glauber (FW), der für das Veterinärwesen zuständig ist, schaltete sich ein. "Tierschutz endet nicht an der Landesgrenze", sagte er und versprach, dass es von Bayern aus keine Rinder-Exporte mehr geben werde, auf denen vorhersehbar die Tierschutzvorgaben verletzt werden. Auf einer Tabu-Liste seines Ministeriums stehen 17 Staaten, darunter Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan. Die Exporteure wollen aber nicht auf die Transporte verzichten. Sie setzten per Gericht durch, dass die Amtstierärzte weiter die erforderlichen Papiere ausstellen müssen.

Die SPD-Abgeordnete Martina Fehlner betont derweil: "Der Europäische Gerichtshof hat schon 2015 deutlich gemacht, dass Tierschutz nicht an der EU-Grenze endet." Ohne Versorgungsstellen sei eine tierschutzgerechte Abfertigung der Tiere nach Russland ausgeschlossen und deshalb nicht zu gestatten. Fehlner verweist darauf, dass Brandenburg die umstrittenen Transporte nun verboten hat.

© SZ vom 06.05.2020 / cws

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