Milchviehbetrieb Warum die Überwachung beim Tierschutz oft ein Saustall ist

Das Veterinäramt wusste nach eigenen Angaben nichts von den tierquälerischen Zuständen.

(Foto: Soko Tierschutz)

Die Zustände in einem Betrieb im Allgäu zeigen erneut: Viele Ämter arbeiten schlampig, informieren schlecht und kontrollieren manchmal nur einmal im halben Jahrhundert.

Kommentar von Katrin Langhans

Wieder einmal zeigen Fotos aus einem Milchviehbetrieb Tierquälerei: Kühe werden getreten, am Schwanz gezogen und mit einem spitzen Metallgegenstand malträtiert, über den Boden geschleift. Und wieder einmal sind es nicht die Behörden, die den Verbraucher über die Gesetzesverstöße informieren, sondern Aktivisten.

Bei den Aufnahmen, die in einem Kuhstall im Allgäu aufgenommen wurden, vergeht einem der Appetit auf Milch. Das Veterinäramt wusste nach eigenen Angaben nichts von allen Gräueltaten, stellte aber in den vergangenen Jahren Verstöße fest - und brachte zwei zur Anzeige.

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Wer im Supermarkt nach der Milchtüte greift, weiß von alledem nichts. Umso wichtiger wäre es, derlei Verstöße öffentlich zu machen und so den Druck auf Landwirte zu erhöhen, ihre Tiere ordentlich zu behandeln. Was hinter Stallmauern passiert, darf nicht hinter Stallmauern bleiben, wenn Tiere misshandelt und Gesetze gebrochen werden.

Wenn Ämter schlampig arbeiten, kann sogar der Hausfriedensbruch von Aktivisten als Notstand gerechtfertigt sein. Das stellte vor Kurzem das Oberlandesgericht Naumburg fest. Tierrechtler hatten mitunter zu enge Kästenstände für Sauen dokumentiert. Die Tiere standen eingepfercht im Stall. Ein Missstand, der dem Amt laut der Urteilsbegründung bekannt war, aber nicht geahndet wurde. Die Tierrechtler handelten aus Mitgefühl. Entscheidend war auch, dass die Aktivisten in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht hatten, dass Ämter ihre Anzeigen ohne Belege nicht ernst nehmen.

Ein Armutszeugnis.

Der Tierschutz wird bundesweit nur schlampig überwacht. Die Kontrolldichte ist ein Witz. Im Schnitt wird ein Stall nur alle 17 Jahre kontrolliert. In einigen Bundesländern sind die Quoten unterirdisch: In Schleswig-Holstein kommen die Kontrolleure nur alle 37 Jahre. Bayern ist trauriges Schlusslicht der Statistik - hier kommt nur alle 48 Jahre ein Kontrolleur vorbei.

Am Ende darf die Überwachung des Tierschutzes aber nicht daran kranken, dass Kommunen zu wenig Personal einstellen. In jedem fünften Stall nämlich finden Kontrolleure Verstöße. Das ergaben eine Kleine Anfrage der Grünen und der FDP im vergangenen Jahr.

Von der Bundesregierung ist derweil nicht viel zu erwarten. Mehr Transparenz darüber, was hinter Stallmauern passiert, ist nicht in Sicht. Man hat andere Prioritäten. Anstatt für mehr Aufklärung zu sorgen, will man laut Koalitionsvertrag explizit "Einbrüche in Tierställe als Straftatbestand effektiv ahnden". Damit ist keinem einzigen Tier geholfen.

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