Süddeutsche Zeitung

Tierhaltung:Wie ein Dorf gegen Bayerns größte Hühner-Mastanlage kämpft

  • Das Landratsamt Pfaffenhofen hat den Bau der womöglich bayernweit größten Hühnermastanlage in Wolnzach-Eschelbach genehmigt.
  • Ein Wolnzacher Landwirt will seinen Betrieb demzufolge auf insgesamt 144 600 Mastplätze für Hühner erweitern.
  • Natur- und Tierschützer sowie Umweltverbände sehen in dem Beschluss einen klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Von Christian Sebald, Wolnzach

Gegen den massiven Protest von Anwohnern, Natur- und Tierschützern sowie Umweltverbänden hat das Landratsamt Pfaffenhofen am Dienstag den Bau der womöglich bayernweit größten Hühnermastanlage in Wolnzach-Eschelbach genehmigt. Die Landtags-Grünen sprachen von einem "dreisten und undemokratischen Vorgehen" der Kreisbehörde. Der Bund Naturschutz erwägt eine Klage. Die Proteste sollen weitergehen.

Der Wolnzacher Landwirt Johann Höckmeier, der die Entscheidung des Landratsamts begrüßte, betreibt in dem 300-Einwohner-Dorf Eschelbach bereits zwei Großställe mit zusammen 40 000 Hühnermastplätzen. Diese will er nun sanieren und auf 43 600 Mastplätze erweitern. Außerdem will er zwei neue Großställe mit je 50 500 Mastplätzen errichten. Mit ihnen käme Höckmeiers Betrieb auf insgesamt 144 600 Mastplätze.

Bei 7,5 Mastzyklen im Jahr könnte der Landwirt mehr als eine Million Brathähnchen im Jahr produzieren. Er wäre damit der derzeit größte Hähnchenmäster im Freistaat. Die Proteste gegen die Massentierhaltung dauern seit Jahren an. Für die Gegner ist sie ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Hühner hätten keinen Auslauf ins Freie, sie könnten nicht auf der Erde nach Insekten und Würmern suchen oder auf Stangen hinauffliegen. Stattdessen würden sie in maximal 37 Tagen auf ein Schlachtgewicht von 1,6 Kilo oder 2,2 Kilo gemästet.

Außerdem befürchten die Gegner, dass von den Stallungen massiver Gestank sowie Gefahren für die Umwelt ausgehen. Deshalb reichten sie eine Petition gegen das Projekt ein. Der Landtag hat noch nicht über sie entschieden. Der Grünen-Politiker und Vorsitzende des Umweltausschusses im Maximilianeum, Christian Magerl, spricht deshalb von einer "Missachtung des Parlaments". Für seine Parteifreundin Rosi Steinberger ist es "schlicht unanständig, ein derart umweltbelastendes Projekt ohne Umweltverträglichkeitsstudie, ohne Tüv-Genehmigung und ohne Einverständnis von Wolnzach aufs Gleis zu setzen".

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SZ vom 12.07.2017 / cws/libo
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