Tierhaltung:Schweinsbraten aus Brasilien?

Bauernverband und Minister fordern mehr Geld für Landwirte

Der Bayerische Bauernverband (BBV) und die Staatsregierung fordern von den großen Supermarktketten höhere Preise für Schweinefleisch. Der Bauernverband sieht wegen der gesunkenen Erzeugerpreise die Existenz der bayerischen Schweinehaltung in Gefahr. "Wir haben eine Krise, wie wir sie bis dato noch nicht gekannt haben", sagte BBV-Präsident Walter Heidl der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist eine Krise von zwei Seiten: bei den Preisen und den Kosten. Das trifft unsere Schweinehalter dramatisch."

Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hatten den Lebensmitteleinzelhandel aufgefordert, den Bauern höhere Preise zu zahlen. "Handel und Verbraucher müssen Mehrleistungen unserer Bäuerinnen und Bauern auch finanziell honorieren", sagte Kaniber. Dabei geht es vor allem um die Anforderungen bei der Tierhaltung, die Aldi und andere erhöhen wollen.

"Es wäre fatal, wenn es bereits in wenigen Jahren keinen Schweinebraten und Bratwürstchen mehr aus bayerischer Produktion gäbe, sondern aus China, Brasilien und den USA, über Großschlächtereien und Wurstfabriken außerhalb unserer Kontrollmöglichkeiten", warnte Aiwanger. "Die derzeitigen 1,25 Euro je Kilogramm Schweinefleisch sind ruinös." Bauernpräsident Heidl nannte mehrere Ursachen für den Rückgang der Erzeugerpreise: wenige Feste im zweiten Corona-Jahr, gesunkener Absatz in der Gastronomie, weniger Nachfrage in den Urlaubsgebieten und Exportbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch wegen der Afrikanischen Schweinepest bei Wildschweinen. "Das Ganze wird verschärft durch steigende Kosten bei Energie und Futter." Die Bürger spüren laut Bauernverband von den niedrigen Erzeugerpreisen jedoch nichts: "Im Gegenteil, die Marge zwischen Landwirtschaft und Ladentheke ist gestiegen", sagte Heidl. Der Erzeugerpreis sei um 30 Cent je Kilo gesunken und der Preis an der Ladentheke um etwa einen Euro gestiegen. "Hier werden offensichtlich Gewinne zulasten der Erzeuger gesteigert."

Die Krise kommt nach Heidls Worten in einer ohnehin vom Strukturwandel geprägten Lage. "Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe hat sich innerhalb von zehn Jahren auf 4200 halbiert. Anders als früher ist auch die Zahl der Tiere gesunken, und zwar um etwa 20 Prozent auf drei Millionen." Es stehe sehr viel auf dem Spiel. "Es geht um die Frage, ob uns die Tierhaltung wegbricht oder nicht." Der Lebensmitteleinzelhandel dürfe nicht nur Maximalforderungen an das Tierwohl formulieren, sagte Heidl. "Wenn man die deutsche Landwirtschaft ausbremst, wandert die Tierhaltung ab. Dann gibt es überhaupt keine Kontrolle mehr." Der Bauernverband fordert eine verbindliche Herkunftsbezeichnung für Fleisch. Bisher sei der Markt mehr oder weniger anonym, sagte Heidl.

© SZ vom 22.09.2021 / dpa
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