Tierhaltung Hühnermäster geht vor Verwaltungsgerichtshof

Von Christian Sebald

Der Streit um die gigantische Hähnchenmastanlage in Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen) geht vor den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Josef Höckmeier junior, dessen Eltern die umstrittene Anlage errichtet haben, bestätigte, dass seine Familie gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts München von Ende März Berufung eingelegt hat. Die Richter hatten den Höckmeiers die Inbetriebnahme von zwei neuen Großställen mit zusammen 88 400 Hähnchenmastplätzen untersagt. Mit ihnen würde der Betrieb insgesamt 144 600 Mastplätze umfassen. Unklar blieb, wie sich das Landratsamt Pfaffenhofen verhält. Die Kreisbehörde hat die Anlage genehmigt. Die Klage des Bundes Naturschutz (BN) richtete sich gegen diesen Bescheid und damit gegen die Kreisbehörde. "Wir warten auf Stellungnahmen von Fachstellen", sagte ein Sprecher. "Das wird eine Entscheidung in letzter Minute."

Experten zufolge hat der Streit grundsätzliche Bedeutung für die Tierhaltung in Bayern. Sollte das Urteil Bestand haben, würden Bau und Betrieb von immer gigantischeren Großställen deutlich erschwert. Das Landratsamt Pfaffenhofen hatte beide Masthallen als landwirtschaftlich privilegierten Betrieb genehmigt. Die Höckmeiers durften sie mitten in die freie Landschaft bauen. Nach Überzeugung des Verwaltungsgerichts hat die Genehmigung aber einen grundsätzlichen Fehler. Damit die Hallen als landwirtschaftlich privilegiert eingestuft werden können, müssen die Höckmeiers mehr als die Hälfte des Futters für die zigtausend Hähnchen darin auf eigenen oder langfristig gepachteten Flächen anbauen können. Und zwar nicht nur des Futterweizens und -maises, den sie in ihren Rechnungen angesetzt haben. Sondern auch des Sojas. Der ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil des Mastfutters, wurde aber von den Höckmeiers nicht berücksichtigt, weil er importiert wird. Der BN klagte deshalb darauf, dass den Höckmeiers die nötigen Ackerflächen für den Betrieb ihrer Mastanlage fehlten. Das Verwaltungsgericht folgte der Argumentation. Selbst bei günstigster Berechnung hätten die Höckmeiers 30 Hektar oder zwölf Prozent der Mindestackerfläche zu wenig für die Mastanlage, heißt es in dem Urteil. Für den Bund Naturschutz ist der Spruch "ein Riesenerfolg im Kampf gegen die industrielle Tierhaltung".