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Tiere - München:Freie Wähler wollen Bayerns Gamswild-Bestand zählen lassen

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München (dpa/lby) - Mit einem wissenschaftlichen Monitoring zum Gamswild-Bestand in Bayern wollen die Freien Wähler im Landtag den Streit zwischen Waldbesitzern und Tierschützern befrieden. "Um Ruhe in die anhaltende Debatte zu bekommen, bedarf es endlich verlässlicher Zahlen. Nur eine systematische und großflächige Erfassung der Gamswildpopulation kann Aufschluss darüber geben, wie viele der gefährdeten Tiere es derzeit im bayerischen Alpenraum noch gibt und in welcher Verfassung sich deren Populationen befinden", sagte Fraktionschef Florian Streibl am Mittwoch in München.

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Die Fraktion verabschiedete bei einem Treffen in Oberammergau eine Resolution zur Durchführung eines Gams-Monitorings, welche die Populationen im Alpenraum systematisch überwachen und regelmäßig überprüfen soll. "Die Erhebung konkreter Zahlen ist überfällig - sonst stochern wir weiter im Trüben", sagte Streibl.

Bislang seien aufgrund der unklaren Datenlage qualifizierte und damit verbindliche Aussagen über Abschussquoten schlicht nicht möglich, sagte Nikolaus Kraus, forstpolitischer Sprecher der Fraktion. An der Erhebung der Tierbestände könnten nach Vorstellung der Freien Wähler auch Förster, Grundstücksbesitzer, Jäger, Tierschützer und andere engagierte Personen und Organisationen mitwirken.

In einem ersten Schritt sollen Aufnahmegebiete definiert und Freiwillige zur Durchführung der Erhebung gefunden werden. Aus den Ergebnissen, die regelmäßig überprüft werden müssten, ließen sich dann ortsbezogene, differenzierte Bejagungsstrategien ableiten.

Das Gamswild ist in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der EU gelistet. Sie hat das Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen. Im Oktober 2020 wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit dem Rote-Liste Zentrum (RLZ) die aktualisierte "Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere (Mammalia) Deutschlands" veröffentlicht. Für insgesamt 97 in Deutschland einheimische Säugetiere wurde nach gut zehn Jahren wieder die Bestandssituation ermittelt. Gamswild wurde dabei in die Vorwarnstufe aufgenommen.

© dpa-infocom, dpa:210728-99-580213/3