bedeckt München 15°
vgwortpixel

Tiefgaragenmord von Erlangen:Prozess vor spektaktulärer Wendung

Überraschung im Prozess um den Tiefgaragenmord von Erlangen: Weil neue Beweise aufgetaucht sind, wird das Verfahren unterbrochen. Bestätigt sich der Verdacht, dann sitzt der falsche Mann auf der Anklagebank.

Erneuter Paukenschlag im Prozess um den Mord an einer Arzthelferin in einer Erlanger Tiefgarage: Der angeklagte 46-Jährige ist vielleicht gar nicht der Täter. "Es kann sein, dass er der Falsche war", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Gründler am Dienstag im Landgericht Nürnberg-Fürth.

Erlangen, Tiefgaragenmord, Landgericht Nürnberg Fürth, Mord, Angeklagter

Neue Beweise entlasten den Angeklagten (Archivfoto) im Prozess um den Erlanger Tiefgaragenmord.

(Foto: dapd)

Erst kurz zuvor war das Ergebnis neuer DNA-Analysen eingetroffen. Richter Stephan Popp berichtete: "Alle drei Spuren stammen von einer männlichen Person, die die gleiche sein könnte." Und weiter: Der Angeklagte könne "als Spurenverursacher definitiv ausgeschlossen werden".

Damit nimmt das Revisionsverfahren schon wieder eine unerwartete Wende. Gleich zu Beginn des Indizienprozesses am vergangenen Donnerstag hatten die Verteidiger des Angeklagten für Aufsehen gesorgt, weil sie die Aussetzung des Verfahrens gefordert hatten. Ihre Begründung: Neue Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft seien ihnen nicht zugänglich gemacht worden.

Die Kammer beschloss jedoch, die Unterlagen verteilen zu lassen und das Verfahren nach einer zweiwöchigen Unterbrechung zunächst fortzuführen.

Mit besonderer Spannung warten die Prozessbeteiligten nun auf das schriftliche Gutachten der Sachverständigen, die einen Ohrring, das T-Shirt sowie Schmutz von den Fingernägeln des Opfers neu untersucht hatten.

Der angeklagte Landschaftsgärtner hatte bereits im ersten Prozess vor zwei Jahren seine Unschuld beteuert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die 27 Jahre alte Arzthelferin im Jahr 1999 mit mehreren Messerstichen umgebracht zu haben, um den sexuellen Missbrauch seiner Tochter zu vertuschen - das Opfer war die Patentante des Mädchens, die beiden wollten sich am Tattag treffen.

Wegen des Missbrauchs seines Kindes, den der 46-Jährige gestand, sitzt er noch bis Januar in Bayreuth im Gefängnis. Eine von ihm gewünschte Therapie wurde ihm dort nach Angaben seiner Anwälte wegen des Mordvorwurfs verweigert.

© sueddeutsche.de/dapd/tob
Zur SZ-Startseite