Thor Steinar vs. Storch Heinar Ein guter Tag für Störche

Niederlage für Thor Steinar im Nürnberger "Modeverbrecherprozess": Storch Heinar darf das in der rechtsextremen Szene beliebte Modelabel weiter ärgern - und kündigt den nächsten Coup an.

Storch Heinar triumphiert: "Ich habe soeben im Nürnberger Modeverbrecherprozess meinen Gegner vernichtend geschlagen", lässt der Satirevogel über das Internetportal "Endstation Rechts" verlauten.

Matthias Brodkorb, SPD-Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, mit dem Grömaz, dem "größten Modemacher aller Zeiten": Storch Heinar. Der Storch darf weiter auf Klamotten sein Unwesen treiben.

(Foto: ddp)

Der Hintergrund: Gegen den Satirevogel hat Thor Steinar, die Marke mit den Neonazi-Fans, geklagt - und zwar wegen Markenrechtsverletzung und Verunglimpfung. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat die Klage nun weitgehend abgewiesen, zur Freude des selbsternannten "Führerstorchs".

Hinter der Persiflage steckt das Internetportal "Endstation Rechts", das unter anderem Matthias Brodkorb, SPD-Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, betreibt. Gegen den Satirevogel geklagt hat die Bekleidungsfirma MediaTex, die die Marke "Thor Steinar" vertreibt.

Richter Horst Rottmann wies nun den Vorwurf zurück, die Kleidung von MediaTex werde durch die Persiflage herabgesetzt oder verunglimpft. Die satirische Auseinandersetzung mit der Marke "Thor Steinar" falle unter das Grundrecht der Meinungs- und Kunstfreiheit. Bei der Klage ging es sowohl um den Namen als auch um die Körperhaltung des Vogels im Logo von "Storch Heinar", die nach Auffassung von MediaTex stark dem Andreaskreuz ähnele, das auf den "Thor-Steinar"-Kleidungsstücken zu finden sei.

Nach Angaben des Gerichts darf das Zeichen "Storch Heinar" also weiterhin Kleidung, Geschirr, Anstecker und ähnliche Waren zieren, die die Initiative "Endstation Rechts" aus Mecklenburg-Vorpommern über das Internet vertreibt und mit den Erlösen nach eigenen Angaben ihre Aufklärungsarbeit über Rechtsextremismus finanziert. Im Streit um eine Nutzung des Zeichens "Wüstenfuchs" gab das Gericht den Ansprüchen von MediaTex statt. Von den Kosten des Rechtsstreits muss MediaTex 94 Prozent, "Endstation Rechts" sechs Prozent tragen. Der Streitwert des Verfahrens wurde auf 180.000 Euro festgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Storch Heinar gibt sich unterdessen voller Tatendrang. Und plant schon den nächsten Coup. Denn auf dem Weg zur "Modeweltherrschaft" hat er einen neuen Verbündeten gefunden: Gemeinsam mit der Front Deutscher Äpfel (FDÄ) ruft Storch Heinar einen neuen Deutschlandpakt aus. Das Motto: "Gut angezogen bis zum Endsiech!"

(Az.: 3 O 5617/09)