Therme bei Augsburg:Vom Spaß- zum Problembad

Königstherme Königsbrunn

Schluss mit dem Badevergnügen: Der Betreiber der Königstherme hat Insolvenz angemeldet, der Betrieb ist eingestellt.

(Foto: dpa)
  • Der Eigentümer der Königstherme in Königsbrunn hat Insolvenz angemeldet, der Betrieb des Bades ist eingestellt.
  • Als die Therme im Jahr 1984 eröffnete, galt sie als eines der ersten Wellnessbäder Deutschlands.
  • Die Königstherme ist nicht das einzige ehemals gut besuchte Spaßbad in Bayern, das zum Problembad verkommen ist.

Von Stefan Mayr, Königsbrunn

Was waren die Stadtväter von Königsbrunn vor 30 Jahren stolz auf ihr Baby. 1984 eröffneten sie ihre Königstherme, sie galt damals als eines der ersten Wellnessbäder Deutschlands. Mehr als 200 000 Menschen pro Jahr strömten anfangs in den Badetempel südlich von Augsburg, um sich in Blubberbecken, Solarium, Sauna und Freiluftareal zu amüsieren. Eigentümer Uwe Deyle bezeichnete sein Haus gerne als "Mutter aller Thermen", auch als es im Laufe der Zeit in die Jahre gekommen war. Bürgermeister Franz Feigl (CSU) spricht dagegen nur noch von der "Großmutter der Thermen". Seit Donnerstag liegt das Wunderkind von einst im Sterben: Deyle hat Insolvenz angemeldet, der Betrieb ist eingestellt.

Und keiner weiß, ob sie jemals wieder zum Leben erweckt wird. Ist die Königstherme noch zu retten? "Das wird schwierig", sagt Bürgermeister Feigl, "die Chancen stehen 50:50." Entweder ein privater Investor übernimmt sie, oder die Kommune müsse sich ein neues Konzept überlegen, sagt er.

Die Königstherme ist nicht das einzige ehemals gut besuchte Spaßbad in Bayern, das zum Problembad verkommen ist. Siehe Bad Tölz: Das dortige Alpamare wurde bereits 1970 eröffnet und galt als erstes Wellenbad der Republik. Bis tief in die 1980er Jahre hinein wurde das Alpamare von Bussen aus ganz Bayern angesteuert. Inzwischen gibt es in jeder größeren Stadt Bäder mit Rutschen, Wellen und sonstigem Schnickschnack. Und das Alpamare wird den Betrieb am 30. August einstellen. In Oberammergau kämpft Bürgermeister Arno Nunn um das Überleben des Erlebnisbades Wellenberg. Um die überfällige Sanierung zu stemmen, will er jetzt ein Genossenschaftsmodell auf die Beine stellen.

"Der Markt ist extrem", sagt Königsbrunns Bürgermeister Feigl, "die Dichte der Spaßbäder ist sehr hoch, aber als Familie kann man sich einen Besuch in so einem Bad nicht täglich leisten." Die Betriebskosten sind wegen des hohen Energieverbrauchs und der strengen Sicherheits- und Hygiene-Anforderungen hoch, die Konkurrenz ist enorm. "In diesem Vergnügungsbereich muss man immer up to date sein." Königsthermen-Chef Uwe Deyle sagt dasselbe, nur etwas verklausulierter: "Insgesamt ist genügend Angebot vorhanden. Produkte mit besonderem Alleinstellungsmerkmal können dennoch erfolgreich sein." Soll heißen: Jedes Bad ohne Alleinstellungsmerkmal hat keine Chance mehr. Das Geld für die nötigen Investitionen ist knapp. So war es jedenfalls in Königsbrunn.

"Alleine aus Eintrittsgeldern lässt sich ein Schwimmbad nicht erneuern und ohne öffentliche Mittel gäbe es in Deutschland überhaupt gar keine Bäder", sagt Deyle. Er hatte sein Bad der Stadt für 1,75 Millionen Euro zum Kauf angeboten. "Der Kaufpreis bewegte sich im Bereich der Abrisskosten", betont Deyle. Doch die Stadträte winkten ab. Vor allem wegen der drohenden Folgekosten. "Man müsste 14 Millionen in die Hand nehmen", rechnet Bürgermeister Feigl vor, "damit hätte man aber nur ein saniertes Bad und noch keine neuen Attraktionen." Königsbrunns Stadträte wollten diese Herausforderung nicht mehr stemmen. Sie entschieden einstimmig, die Königstherme nicht zu kaufen. Wenige Stunden später meldete die Therme Insolvenz an.

Wie geht es jetzt weiter? "Die Entscheidung der Stadt bedeutet für die Königstherme wohl das Ende", prophezeit Deyle. Der Bürgermeister drückt sich optimistischer aus: "Jeder private Investor ist herzlich willkommen." Es gebe sogar einen Interessenten. Doch ob der die enorme Herausforderung wagt, ist offen. "Die Frage ist: Was investiere ich noch in eine Großmutter?" Feigl hat auch Kontakt mit Jörg Wundt aufgenommen, dem Betreiber der Thermen in Erding und Bad Wörishofen. "Er hat kein Interesse", verrät Feigl. Logisch, Wundt würde seinen Standorten nur selbst Konkurrenz machen.

Auch der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Plail sieht die Zukunft eher skeptisch: "Schon jetzt ist absehbar, dass die Königstherme mittelfristig nicht wieder öffnen wird", teilt er mit. "Wir hätten derzeit gar nicht genug Personal für einen ordnungsgemäßen Betrieb." Weil etliche der 65 Mitarbeiter seit Mai keinen Lohn mehr erhielten, hätten viele gekündigt. Gespräche mit Stadt und Eigentümer laufen, zunächst ist nur eines gewiss: Königsbrunn steht erst einmal ohne öffentliches Bad da. Kein Grund, stolz zu sein.

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