Teure Folgen einer Affäre Sparkasse Miesbach will Geld zurück

In der Ära Bromme/Kreidl wurde das Sponsoring der Kreissparkasse Miesbach unverhältnismäßig ausgeweitet.

(Foto: Manfred Neubauer)

Für Ex-Landrat Kreidl ist die Sponsoring-Affäre womöglich noch nicht vorbei: Die Sparkasse Miesbach will alle Summen geltend machen, bei denen eine Chance auf Durchsetzung besteht. Auch der frühere Bankchef Bromme muss mit Regressforderungen rechnen.

Von Christian Sebald

In der Sponsoring-Affäre der Miesbacher Kreissparkasse müssen sich der Miesbacher Ex-Landrat Jakob Kreidl (CSU), der frühere Vize-Landrat Arnfried Färber (Freie Wähler) und der frühere Sparkassenchef Georg Bromme auf Regressforderungen einstellen. Der Verwaltungsrat der Sparkasse hat jetzt beschlossen, alle Summen geltend zu machen, bei denen die Chance besteht, dass man sie auch durchsetzen kann. Für Kreidl dürfte die Affäre damit nicht ausgestanden sein.

Nach einer Untersuchung des Rechnungsprüfungsausschusses des Landkreises Miesbach hat Kreidl in seiner Zeit als Landrat zumindest zwei Reisen - eine nach Rom und eine nach Israel - unternommen und als Dienstreisen abgerechnet, die offenbar keine waren. Insider berichten außerdem von "einem extrem großzügigen Umgang mit Spesenabrechnungen". Auch hier steht die Forderung nach Rückzahlungen im Raum.

Jakob Kreidl "Hier tut sich ein Abgrund auf"
Sponsoring der Miesbacher Sparkasse

"Hier tut sich ein Abgrund auf"

Die Regierung von Oberbayern hat die Sponsoringaktivitäten der Miesbacher Kreissparkasse untersucht. Die Ergebnisse lösen im Innenausschuss des Landtages Fassungslosigkeit aus. Nun soll Ex-Landrat Kreidl Gelder zurückzahlen.  Von Heiner Effern

Rechnet man alle Summen zusammen, geht es bei dem umstrittenen Sparkassen-Sponsoring um einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Kreidls 120 000 Euro teure Geburtstagsfeier, zu der die Sparkasse knapp 80 000 Euro beigesteuert und die den CSU-Politiker letztlich sämtliche Ämter gekostet hat, war die Spitze des Eisbergs. Im Laufe der Affäre kam heraus, dass die Sparkasse schon früher ein Geburtstagsfest für den damaligen Vize-Landrat Färber ausgerichtet hat. Außerdem bezahlte sie Lokalpolitikern Ausflüge und Reisen, Büroausstattungen, Sitzungssäle und anderes mehr. Die Sparkasse erwarb aber auch eine Alm für 1,15 Millionen Euro, das Nutzungsrecht der Barockbibliothek in Schloss Tegernsee ließ sie sich inklusive Erwerb des Bücherbestands 1,65 Millionen kosten.

Demgegenüber nehmen sich die 20 000 Euro, mit denen der Ex-Sparkassenchef und leidenschaftliche Jäger Bromme einen Schießstand von Tiroler Jägern in Achenkirch unterstützt hat, fast wie eine Lappalie aus. Es ist aber diese Spende, die Bromme zum Verhängnis werden könnte. Die Regierung von Oberbayern, welche als Sparkassenaufsicht das Sponsoring untersucht hat, empfiehlt dem Geldinstitut, Bromme deshalb anzuzeigen. Zugleich gibt es Forderungen im Oberland, dass der neue Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) offenlegen soll, wie sehr sich Kreidl auf Kosten des Landkreises bedient hat.

CSU Schwarzbuch Miesbach
Sponsoring der Sparkasse

Schwarzbuch Miesbach

Das bayerische Innenministerium prangert widerrechtliche Sponsoring-Aktivitäten der Kreissparkasse in Miesbach an. In der Amtszeit des Affären-Landrats Jakob Kreidl, sagt ein Insider, da "ging's erst richtig los".  Von Christian Sebald

Der Rechnungsprüfungsausschuss des Landkreises hat dazu ein umfangreiches Gutachten angefertigt. Es wird aber unter Verschluss gehalten, weil eine Veröffentlichung die Persönlichkeitsrechte des Ex-Landrats verletzten könnte. Auch in der CSU stößt das auf großen Unmut. "Es wird keinen Frieden geben, bevor nicht alle Verfehlungen aufgearbeitet sind", sagt ein namhaftes Parteimitglied. "Deshalb muss der Bericht veröffentlicht werden." Der Ärger sitzt auch deshalb so tief, weil Kreidl sein Versprechen nicht eingelöst hat, für seine Geburtstagsfeier eine bedeutende Summe zurückzubezahlen. Von den 120 000 Euro Kosten hat der Landkreis 33 000 Euro bezahlt. Ex-Sparkassenchef Bromme wollte sich zu möglichen Regressforderungen nicht äußern. Insider sagen, er sei sich keiner Schuld bewusst und zuversichtlich, eventuelle Rechtsstreitigkeiten zu gewinnen.