Freizeit in Bayern:Syltisierung am Tegernsee

Start der legendären Tegernseer Seefeste am 10. Juli 2018

Scho schee, am Tegernsee - aber ob eine Syltisierung droht? Ungewiss.

(Foto: obs)

Vor dem Phänomen warnen Einheimische schon länger, nun scheint die Gefahr wieder zu steigen: Die Syltisierung am Tegernsee zeigt neue Auswüchse. Und am Ende droht gar noch eine Schottisierung dazu

Glosse von Matthias Köpf

Ob sich dort auf Sylt irgendjemand vor der Tegernseeisierung der Insel fürchtet, muss wohl weiterhin offen bleiben, denn vielleicht hegt mancher Insulaner solche Befürchtungen ja auch insgeheim. Andersrum aber geht am Tegernsee schon länger die Sorge vor der sogenannten Syltisierung um.

Der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn hat spätestens seit seiner ersten CSU-internen Kandidatur 2013 immer wieder öffentlich vor dieser Syltisierung gewarnt, recht prominent etwa zur Erhöhung der örtlichen Zweitwohnungssteuer 2018. Zuletzt hat Hagn erst vor ein paar Wochen im Interview mit der Lokalzeitung wieder bekräftigt, dass Tegernsee "nicht das Sylt des Südens" sei. Das ist gut, denn sonst hätte der neue Tegernseer Whiskykutter ja gleich auf Sylt bleiben können.

Die Destillerie Lantenhammer aus dem nahen Hausham hat das Schiff da droben in Deutschlands höchstem Norden losgeeist. Lantenhammer brennt seit Längerem selber einen Whisky, der mit dem heftig schottelnden "Slyrs" nach dem heimischen Schliersee benannt ist. Nun haben sich die ehemaligen Enzianbrenner an der "Sylt Destillerie GmbH" und deren insularer Marke "Sild" beteiligt. Teil dieses Deals ist auch der Transfer eines früheren Krabbenkutters vom Hafen in List auf Sylt an den Tegernsee.

In dem Kutter reifte zuletzt der Sylter Whisky, wofür dort aber schon wieder ein anderes Schiff im Hafen dümpelt. Der baldige Tegernseer Krabbenkutter wird gerade noch etwas aufgemöbelt, ehe er per Tieflader Richtung Berge rollen soll. Am und im Tegernsee soll er dann als "Whisky- und Eventboot" vor einem Bad Wiesseer Hotel festmachen, das bereits über eine angeblich "einzigartige Event-Location" in Form eines Bootshauses verfügt.

Das passt, finden die Beteiligten, aber allen passt es freilich nicht. Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal etwa reagiert allein auf das Wort "Event" längst allergisch und erkennt in dem ganzen Gekutter eine "reine Werbeaktion für ein für Bayern vollkommen untypisches Getränk". Neben der nun prompt auch von der Schutzgemeinschaft beklagten Syltisierung droht da offenbar die Schottisierung des Sees. Vielleicht aber ließe sich in dem Kutter statt Slyrs und Sild ja ein Degansea zur Reife bringen, wenn nicht gar ein echter, rauchiger Loch Deaghan.

© SZ vom 08.07.2021/infu
Zur SZ-Startseite

SZ PlusReden wir über Bayern
:"Bei mir ist der Gast König, aber der Kaiser bin ich"

Er wollte auf keinen Fall Koch werden. Heute gilt Ludwig Maurer als "Deutschlands Fleischpapst" und kocht im Bayerwald. Ein Gespräch über Heimat, Fleiß, Liebe und was man lernt, wenn man mit 20 Jahren an Krebs erkrankt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB