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Technologie:Vernetzte Mülltonnen

Regensburg probt das Internet der Dinge im öffentlichen Raum

Ist vom Internet der Dinge die Rede, geht es häufig um den Privathaushalt. Etwa um Kühlschränke, die automatisch Milch oder Eier nachbestellen, wenn die Vorräte zu Neige gehen. Oder um Rasenmäher, die per Smartphone-Befehl den Rasen mähen. Vereinfacht gesprochen ermöglicht das IoT (Internet of Things) die Vernetzung, Überwachung und Steuerung von Geräten, Maschinen oder Gegenständen. Regensburg überträgt dieses Prinzip nun auf den öffentlichen Raum. Am Mittwoch hat die Stadt ein flächendeckendes IoT-Funknetz in Betrieb genommen.

Künftig könnten etwa Sensoren in Mülltonnen der Müllabfuhr per Funk mitteilen, ob sie voll sind und geleert werden müssen. Weil das Abholen des Mülls Schadstoffe und Kosten produziert, verspricht sich die Stadt Regensburg Einsparungen durch das IoT-Prinzip. Darüber hinaus hält es Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) für denkbar, dass Linienbusse über das neue Funknetz Auskunft über das Verkehrsaufkommen geben und im Bedarfsfall schnell zusätzliche Busse losgeschickt werden könnten. Auch zur Überwachung der Luftqualität im Stadtgebiet soll die Technik wohl irgendwann eingesetzt werden. Misst ein Sensor in bestimmten Straßenzügen einen zu hohen Feinstaubwert, könnte man zum Beispiel "ein Lkw-Verbot für die nächste Stunde" erteilen, sagte Maltz-Schwarzfischer.

Die Bürgermeisterin betonte, dass mit dem IoT-Funknetz zunächst nur eine Infrastruktur geschaffen wurde. Hierfür wurden zwölf Funkantennen auf Regensburger Dächern platziert. Wie und wann die Stadt das IoT-Netz bei Müllentsorgung oder Verkehrsmessung nutzen wird, stehe derzeit noch nicht fest. Der Betreiber des Funknetzes, die französische Firma Sigfox, hat ohnehin nicht nur städtische Belange im Blick, sondern auch Regensburger Unternehmen und Privatleute.

So könnten beispielsweise Hersteller Fahrräder mit einem Sensor ausstatten. Wird das Fahrrad gestohlen, könnte der Sensor per Funk den Standort des Rads an das Smartphone des Besitzers übermitteln. Zwar gibt es ähnliche Dienste bereits jetzt als Smartphone-Apps, doch sei die Funktechnologie zuverlässiger, kostengünstiger und energiesparender als Wlan und Mobilfunk, argumentiert die Firma Sigfox. Dass bei der Nutzung des neuen Regensburger IoT-Netzes auch Daten preisgegeben werden, daraus macht Sigfox kein Geheimnis. Letztlich, sagt Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer, sehe sie aber mehr Chancen als Risiken.