Kostenlose Tanzkurse im ParkLeichtigkeit, die über die Füße kommt

Lesezeit: 5 Min.

Bei „Tanzen im Park“ geht es – Überraschung – ums Tanzen. Aber irgendwie doch auch um die gemeinsame Begegnung.
Bei „Tanzen im Park“ geht es – Überraschung – ums Tanzen. Aber irgendwie doch auch um die gemeinsame Begegnung.
Catherina Hess

Ein Angebot, das aus der Reihe tanzt. Bei dem man etwas über neue Tänze lernen kann, und vielleicht auch über sich. Wie das aussehen kann?

Von Jasper Eckhof

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„Seis…siete…ocho“. Die Abendsonne ist doch noch rausgekommen. Auf dem Tanzplateau der großen Gymnastikwiese im grünen Ostpark steht Fabian Lugo, auf dem vorderen Spann seiner Tanzschuhe die Farben Argentiniens. An diesem Dienstagabend auf dem Tanzplan: Tango. Und das für alle, Anfänger wie Fortgeschrittene: „Der Anfang ist nicht schwierig, man muss nur die Angst überwinden“, erklärt er.

Der Lehrer der Tanzschule Lugo tanzt in eleganten Bewegungen die Form eines Vierecks aufs Plateau. Dann schaut er auf und lächelt: „Wenn wir diesen Schritt können, können wir auf einem ganzen Tanzball schon tanzen. Cool, oder?“ Das Quadrat, erklärt er, ist einer der vier wichtigsten Schritte beim Tango.

„Tanzball“ – damit bringt Lugo es schon auf den Punkt: Tango „ist ein sozialer Tanz, man tanzt mit allen zusammen“. Bemerkenswert, welche Dynamik sich dabei entwickelt, wie die Anonymität im Park aufgebrochen wird: Eben noch wären die Leute im Park aneinander vorbeigegangen, jetzt tanzen sie im gemeinsamen Nebeneinander. Hier und da joggen Menschen (aneinander) vorüber.

Das ist für Uwe Striese, der an diesem Abend als einer der ersten in den Park gekommen ist, grundsätzlich das Schöne: „Das ist etwas, was verbindet. Du lernst immer nette Leute beim Tanzen kennen.“ Seit mehreren Wochen macht der Endzwanziger, wenn er seine Arbeit an der Fleischtheke beendet hat, einen Tanzkurs. Auch Tango hat er schon getanzt. Und Salsa? „Bockschwer.“ „Aber der Tango ist schön, weil er relativ gradlinig ist vom Takt her.“

Fabian Lugo und Michaela Brandl de Lugo – zusammen leiten sie die Münchner Tanzschule Tango Lugo.
Fabian Lugo und Michaela Brandl de Lugo – zusammen leiten sie die Münchner Tanzschule Tango Lugo.
privat

„Tango“, erklärt Tanzlehrer Lugo, „ist elegant, sinnlich, erotisch“. Das ist ja irgendwie über ihn bekannt. Und es ist spannend, auf einmal selbst mittendrin zu sein in diesem besonderen Tanzerlebnis. Was Tango auch ist – „die Kunst zu gehen“. Das lernen hier nicht die Neugeborenen, sondern Menschen jeden Alters.

Apropos gehen: Jana Tobrmann und Enrico Degel waren erst auf einem Spaziergang unterwegs und haben sich dann doch noch zu den anderen auf die Ostpark-Wiese gesellt. „Wir haben uns heute ganz spontan verabredet und nicht gewusst, was wir machen wollen“, erklärt sie. Erst waren da nur der Feierabend nach dem Homeoffice, der Mangel an Alternativen, etwas Tanzlust und ein bisschen Zweifel – bei ihr: „Ich mag schon tanzen, obwohl ich nicht gut tanzen kann.“

Und bei ihm? Sie lacht und schaut kurz in sein Gesicht. Er habe nicht gefragt, ob sie wahnsinnig sei, sondern „einfach mitgemacht“. Nach dem Tanzen scheinen beide etwas überrascht, aber auch berauscht von diesem unvorhergesehenen Abend. Janas Erkenntnis: „Es ist ganz egal, ob du das richtig machst oder falsch.“ Und Enricos Fazit? „Echt ganz angenehm.“ Bevor sie sich auf den Weg machen, meint er noch: „Ich werde es mir auf jeden Fall nochmal angucken.“ Und schaut dann zu ihr: „Dann frage ich morgen spontan.“

Im traditionellen irischen Bonfire geht man aufeinander zu.
Im traditionellen irischen Bonfire geht man aufeinander zu.
Catherina Hess

Das Schöne bei „Tanzen im Park“ ist, dass sich die Leute in rund 20 angebotenen Tanzstilen versuchen können. Da ist es also auch möglich, zwei Wochen nach dem Ostpark-Tango in den Westpark zu radeln, um sich an einen so ganz anderen Tanz heranzutrauen. Die grüne Sonnenbrille und Leggings von Barbara van Deun deuten irgendwie schon darauf hin: Es wird irisch.

Ehe es losgeht, ein paar Worte der Tanzlehrerin – die übrigens achtfache Deutsche Meisterin im Irish Dance ist: Sie wird einführen, erst in die Grundschritte und dann in einen der traditionellen, irischen Céilí-Tänze. Wer sich nun an die schnellen Geigenläufe der irischen Musik erinnert und an die flinken Füße auf dem Tanzparkett, wer sich fragt, wie ratsam es war, an diesem Freitagabend in den Park gekommen zu sein, den kann van Deun beruhigen: „Es ist so gestaltet, dass wirklich jeder sehr leicht einsteigen kann, der daran Freude hat“. Ihr Ziel? Dass „die Leute zum Tanzen kommen“.

Während sich die Tanzlehrerin vorbereitet, steht hinten Sophia. Sie hat eben an einem Kursangebot auf der Gymnastikwiese teilgenommen, nun noch Lust auf Bewegung und sich deshalb gedacht: „Warte ich halt noch eben zehn Minuten und schaue, was da kommt.“ Tanzen kennt und kann sie. Ihre Genres: Hip-Hop und Ballett. Ihre Erwartung heute Abend: „Eine Tanzrichtung zu sehen, die ich sonst noch nicht kenne.“

„Das Schöne an der irischen Musik ist ja“, erklärt die Tanzlehrerin durchs Mikro, „dass sie so temperamentvoll ist. Und das Temperament kommt von einem schnellen Tempo“. Praktisch bedeutet das an diesem Abend: langsam die Grundschritte lernen – die Threes und die Sevens: da ist er, der berühmte Sprung auf beiden Beinen. Und dann die Musik dazu holen, in die Choreografie wechseln. Schneller werden. Aber natürlich langsam. Man wolle ja „keine Knoten in die Beine bekommen“. Das scheint zwischendurch nicht unmöglich. Was tun, wenn die Beine verknoten? „Solange die Schiebrichtung passt, ist das völlig ok. Das tut dem Spaß doch keinen Abbruch hoffentlich.“

Zeit also für einen richtigen irischen Tanz: den Bonfire. In der Mitte der Westpark-Gymnastikwiese brennt an diesem sommerlichen Abend das imaginäre Lagerfeuer. „Wir bilden einen großen Kreis, sodass wir uns an den Händen fassen können.“ Wie bitte? Ja doch. „Wir machen jetzt die richtig stimmungsvolle irische Variante“, erklärt van Deun. Und ehe die Tänzerinnen und Tänzer länger drüber nachdenken können, laufen sie auch schon händehaltend aufeinander zu. Tippeln nach links, nach rechts. Ein Hüpfer. Lächeln auch schon, lachen. Grinsen über sich Tanzmuffel und Klumpfuß und staunen über die Kraft des Bonfire – man könnte auch sagen, des gemeinsamen Tanzes.

Die Schultern nach unten, die Arme rechts und links vom Körper, „dann kann man sich voll und ganz auf die Schrittfolge konzentrieren“, sagt Tanzlehrerin Barbara van Deun.
Die Schultern nach unten, die Arme rechts und links vom Körper, „dann kann man sich voll und ganz auf die Schrittfolge konzentrieren“, sagt Tanzlehrerin Barbara van Deun.
Catherina Hess

Als hätte sie genau das geahnt: Ines ist an diesem Freitagabend extra in den Westpark gekommen, weil sie den irischen Volkstanz unbedingt ausprobieren wollte. Aber dann endet das letzte Stück Musik im Westpark. Und sie? Sie hätte am liebsten weitergetanzt. Man komme mal ein wenig aus dem Trott heraus. Tanze irischen Volkstanz und bringe „einfach nur so ein bisschen mehr Leichtigkeit und Schwung und Freude rein.“

Beim „Tanzen im Park“, das vom Münchner Kulturreferat initiiert und von den Tänzerinnen Judith Seibert und Sabrina Neumann geplant und umgesetzt wird, gibt es nicht nur Tango oder irischen Volkstanz. Man kann alle möglichen Stile in diesen kostenlosen Schnupperstunden unter freiem Himmel kennenlernen, und ohne Anmeldung einfach hingehen. Eine Auswahl: Vintage Jazz, Hip-Hop, Salsa, African Dance, Contemporary, Bavarian Line Dance und Flamenco. Das Ganze läuft von Mai bis September, jeden Dienstag im Ostpark (19 bis 20 Uhr) und jeden Freitag im Westpark (19.15 bis 20.15 Uhr). Auf der Homepage der Veranstaltung kann man nachlesen, wann und wo es welchen Tanz gibt (www.tanzenimpark.de).

Vorkenntnisse braucht es keine. Und wenn man im Park eine Tanzleidenschaft für sich entdeckt, erklärt Veranstalterin Judith Seibert, kann man ihr im Anschluss in einer der vielen Tanzschulen oder Vereine (wie die von Fabian Lugo oder Barbara van Deun) weiter nachgehen. „Es gibt aber auch viele Teilnehmerinnen, die einfach den ganzen Sommer alles bei uns mitmachen und sonst eher nicht tanzen“, erklärt sie. Aber Freude daran haben. Wer den Tango und Irish Dance noch im Fuß hat, kann sagen: Das verwundert nicht.

Einmal im Ostpark, einmal im Westpark: Es gibt die Möglichkeit, einen Tanz zweimal zu tanzen, das gilt auch für die Tango-Stunde mit dem erfahrenen Tänzer Fabian Lugo (12.6.). Vielleicht erzählt er auch dann noch einmal, was das Tolle an diesem Tanz ist: „Dass man reingeht in eine Welt, die sich jeden Tag verbessert.“ Darf das auch für den irischen Volkstanz gelten? Und vielleicht auch für die anderen Tanzstile? Das Tanzen an sich? „Wenn du keine Angst hast“, sagt der Tangolehrer im Ostpark, „dann bist du richtig dabei und kannst nur glücklich werden“.

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Von Michael Zirnstein

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