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SZ-Kuckuck auf Reisen:Stärkung am Raupenbuffet

Käpt'n Kuck ist auf dem Weg nach Süden - schön langsam kommt er vorwärts.

(Foto: LBV)

Eigentlich ist Käpt'n Kuck auf dem Weg ins südliche Afrika. Doch seit nunmehr einer Woche urlaubt er in Bosnien - und da macht er, was man im Urlaub so macht: wenig fliegen, viel fressen und jeden Tag eine lange Siesta.

In Kotor Varoš herrscht Sommerwetter. Die Sonne scheint vom blauen Himmel auf die Kleinstadt im nördlichen Bosnien-Herzegowina herab, nur ab und an ziehen Wolken durch und werfen ihre Schatten auf das Vlašic-Gebirge und die sattgrünen Wälder. Regen ist nicht in Sicht. Dafür wird es in den Mittagsstunden richtig heiß. Die Temperaturen steigen auf 31 oder 32 Grad. Zum Wochenende hin soll es sogar noch ein wenig wärmer werden. Käpt'n Kuck mag dieses Wetter. Der SZ-Kuckuck fliegt munter in der Umgebung von Kotor Varoš umher. Gut eine Woche hält sich das Vogelmännchen aus den Donau-Auen im niederbayerischen Bogen nun schon im nördlichen Bosnien-Herzegowina auf. Und noch macht Käpt'n Kuck keinerlei Anstalten, seinen großen Flug ins südliche Afrika fortzusetzen.

"Man muss sich Käpt'n Kucks Stopp in Kotor Varoš vorstellen wie einen sehr geruhsamen Erholungsurlaub, bei dem einfach alles stimmt", sagt Markus Erlwein vom Vogelschutzbund LBV. "Er schläft in aller Seelenruhe aus, dann frisst er ein wenig, mittags, wenn es am heißesten ist, hält er eine ausgiebige Siesta." Da sitzt Käpt'n Kuck dann stundenlang im Schatten in einem Baum, wo es ein wenig kühler ist, und döst vor sich hin. Erst am späten Nachmittag, wenn es insgesamt etwas abkühlt, wird das Kuckucksmännchen wieder aktiv. Dann streift Käpt'n Kuck erneut umher und hebt möglichst viele Gespinste mit fetten Schmetterlingsraupen aus. Auch wenn Käpt'n Kuck in diesen Tagen möglichst viele Raupen vertilgt, bei der Jagd auf seine Beute lässt er es dennoch ruhig angehen. "Er bleibt meist in einem recht eng begrenzten Gebiet", sagt die LBV-Biologin Friederike Herzog. "Nur wenn dort das Angebot an Raupen plötzlich nicht mehr so üppig sein sollte, dann fliegt er schon mal fünf oder mehr Kilometer umher." Abends macht Käpt'n Kuck früh Schluss.

Erholung nach einem anstrengenden Frühjahr

Schon gegen sieben, halb acht Uhr sucht sich das Vogelmännchen einen sicheren Schlafplatz für die Nacht. Den Erholungsurlaub in Bosnien-Herzegowina kann Käpt'n Kuck wirklich gut gebrauchen. Und zwar nicht nur, weil der bevorstehende Weiterflug über das Mittelmeer und die Sahara bis ins südliche Afrika eine Riesenherausforderung ist. Auch die zurückliegende Kopulationszeit war eine echte Anstrengung. "Wenn Käpt'n Kuck da nicht gerade von einem Weibchen zum anderen getollt ist, dann musste er sein Revier gegen andere Männchen verteidigen oder sich was zum Fressen suchen", sagt der LBV-Mann Erlwein, "der war praktisch unentwegt auf Achse." Und zwar etliche Wochen lang. Mit der Paarungszeit ist Schluss bis nächstes Jahr. Käpt'n Kuck muss nicht mehr ständig balzen, was auf die Dauer ja eine echte Belastung sein kann.

Kuckuck Käpt'n Kuck ist auf und davon
SZ-Kuckuck fliegt gen Süden

Käpt'n Kuck ist auf und davon

Erst hatte er die Zugunruhe, nun ist er unterwegs: Käpt'n Kuck hat seine lange Reise in den Süden angetreten. 650 Kilometer hat der SZ-Kuckuck schon geschafft, gerade macht er Station in Bosnien-Herzegowina. Doch die gefährlichen Strecken stehen ihm noch bevor.   Von Christian Sebald

"Er muss auch kein Revier mehr gegen andere Kuckucksmännchen verteidigen", sagt Erlwein, "das einzige, worauf er achten muss, ist, dass ihn kein Habicht, Sperber oder anderer Greifvogel erwischt." Aber das dürfte kaum passieren. Denn erstens leben Kuckucke insgesamt sehr versteckt. Selbst wenn sie nicht ruhen, halten sie sich zumeist in dicht belaubten Baumkronen auf, wo kaum keiner sie entdecken kann. Zweitens stellen sie ihr Rufen mit dem Ende der Paarungszeit komplett ein. Deshalb dürften auch die Einheimischen in Kotor Varoš nicht mitkriegen, dass sich Käpt'n Kuck in ihrer Region ausruht.

Dabei sind es doch die markanten Rufe, denen der Kuckuck seine große Beliebtheit verdankt. Der Schriftsteller Günter Grass könnte sich sogar vorstellen, als Kuckuck wiedergeboren zu werden. "Im Buddhismus ist ja davon die Rede, nach dem Tod in anderer Gestalt wiedergeboren zu werden. Mich reizt der Gedanke: Was wäre wünschenswert? Welches Getier, welche Pflanze möchtest du sein? Eine Amöbe?", sagte der 86-jährige Literaturnobelpreisträger in einem Interview mit dem Magazin Focus. Was ihn locke, sei der Kuckuck. "Ich mag den Vogel, der das Frühjahr verkündet und den Leuten jedes Jahr Versprechungen macht mit seinen Rufen, den Kuckuck", sagte Günther Grass. "Auch seine Unart, seine Eier in die Nester anderer Vögel zu legen, ist eine verführerische Vorstellung."

Die Flugrouten weiterer besonderter Kuckucke des LBV finden Sie hier.