bedeckt München
vgwortpixel

Südostlink:Stromtrasse verläuft wohl nicht an A 93

Gegner der geplanten "Südostlink"-Stromtrasse durch Nordbayern müssen eine Niederlage hinnehmen: Ein Vergraben der Leitungen neben der Autobahn A 93 ist nach Angaben des Netzbetreibers Tennet technisch kaum möglich, wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Dienstag nach der Kabinettssitzung berichtete. "Dann haben wir die Trasse querfeldein, wo es massivsten Protest (...) gibt."

Aiwanger zählt selbst zu den Trassengegnern, räumte aber ein, dass er nichts ausrichten kann: "Ich kann Bundesentscheidungen nicht aushebeln." Die zwei geplanten großen Stromtrassen Südlink und Südostlink sollen in Zukunft Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern transportieren und die Stabilität der Stromversorgung im Süden sichern. Ende 2022 wird laut Fahrplan für den Atomausstieg als letztes deutsches Kernkraftwerk Isar II bei Landshut abgeschaltet, der leistungsstärkste Meiler in der Bundesrepublik.

Insbesondere die bayerische Wirtschaft fürchtet Strommangel und stark steigende Strompreise, wenn die Trassen nicht gebaut werden. "Bayern braucht leistungsfähige Übertragungsnetze, wenn es ein führender Industriestandort bleiben will", sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. "Natürlich zerren viele an diesem Rockzipfel", sagte Aiwanger über seine ungemütliche Lage zwischen Trassengegnern und Wirtschaft. Der Koalitionspartner CSU reagierte mit diplomatischem Sanftmut auf Aiwangers Nöte: Die Aussage, dass der Energieminister die Trassen verhindern wolle, habe sich "nicht bewahrheitet", stellte Staatskanzleichef Florian Herrmann fest. "Es ist unser Ziel, das möglichst bürgerfreundlich und naturverträglich umzusetzen."

© SZ vom 19.02.2020 / dpa
Zur SZ-Startseite