Suche nach Schildkröte im Allgäu Sappra-Lotti

Lotti als Gebäck, Lotti als Graffiti, Lotti als Lied: Die bissige Schildkröte vom Oggenrieder Weiher ist im Ort Irsee allgegenwärtig. Nur persönlich hat sie noch keiner angetroffen. Ob Lotti wohl je gefunden wird? Weltberühmt ist Irsee schon jetzt - zumindest für ein Sommerloch.

Von Stefan Mayr

Vier Wochen ist es jetzt schon wieder her, dass im Ostallgäuer Örtchen Irsee Monster-Alarm ausgelöst wurde. Es war am 8. August, als im Oggenrieder Weiher vermutlich eine Schildkröte einem achtjährigen Buben die Achillessehne gleich doppelt durchgebissen hat. Seitdem geistert das Phantom- und Sommerloch-Ungeheuer weltweit durch die Medien, während es in Irsee ebenso fieberhaft wie vergeblich gesucht wird.

Auch am Mittwoch steht Bürgermeister Andreas Lieb wieder an dem abgelassenen Weiher und fachsimpelt mit einem Reptilien-Experten über Lotti, wie das Tier inzwischen genannt wird. "Eine Jägerin hat berichtet, dass sie Lotti gesehen hat", sagt Lieb. Und das ist nicht die einzige Neuigkeit zum Thema: Während das Viech in echt einfach nicht zu greifen ist, haben die Menschen anderweitig jede Menge Abbilder angefertigt. Sowohl im Internet als auch im Irseer Ortskern.

Auf Youtube gibt es ein Lied ("Lotti Lotti, kloine Matz"). Auf Facebook hat Lotti eine eigene Seite mit 1590 Freunden. Zudem werden Lotti-Schlüsselanhänger und Lotti-T-Shirts verkauft. Angefangen hat die wundersame Vermehrung des Reptils bei der örtlichen Bäckerei Koneberg und ihren Laugenschildkröten. "Die waren jeden Tag ausverkauft", berichtet Bürgermeister Lieb.

Lotti mit Flügeln wie Autotüren

Auch auf Irsees Straßen wird Lotti auf Dauer anzutreffen sein: Der Münchner Graffiti-Künstler Loomit, der derzeit im Kloster Irsee einen Kurs für Nachwuchs-Sprayer gibt, hat Lotti mit einem Kunstwerk auf einer Mauer verewigt. "Die Lotti hat Flügel wie Autotüren", erklärt der Bürgermeister, "na ja, die künstlerische Freiheit." Dabei muss man dem Künstler zugute halten, dass Lottis Aussehen bis heute ungeklärt ist.

Existiert sie überhaupt? Und wenn ja, ist sie eine Schnappschildkröte (Chelydra serpentina) oder eine Geierschildkröte (Macrochelys temminckii)? Niemand weiß es. Immerhin hat sich Andreas Lieb sagen lassen, dass Geierschildkröten auf dem Schwarzmarkt "sehr viel mehr wert" sind als Schnappschildkröten. "Es könnte also sein, dass nachts schon Profis da waren, Lotti gefangen haben und längst weiterverkauft haben."

Mehrere Tausend Euro könne man damit verdienen, da kann die Gemeinde mit ihren 1000 Euro Finderlohn natürlich nicht mithalten. Freilich tummeln sich bis heute viele Menschen in dem Weiher. "Alles was Beine hat, ist in dem Schlamm herumgelaufen", sagt Markus Baur von der Münchner Auffangstation für Reptilien. "Selbst der Opa mit dem Rollator." Ob aus Geld- oder Neugier, muss an dieser Stelle offen bleiben.