Suchaktion:Fünfjähriger verbrachte 16 Stunden allein im Wald

  • Einen Tag nach seinem Verschwinden bei einem Waldspaziergang ist ein fünfjähriger Junge am Samstag von einem Angler unversehrt gefunden worden.
  • Der Junge war am Freitagnachmittag mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder in einem Waldstück unterwegs gewesen, als er verloren ging.

Von Martina Scherf

Nach mehr als sechzehn Stunden ist die Suche nach einem vermissten fünfjährigen Buben am Samstagvormittag glücklich zu Ende gegangen. Die Nacht davor war für die Familie aus Vohburg im Landkreis Pfaffenhofen sicherlich die schlimmste ihres Lebens. Der Bub war beim Spazierengehen mit seiner Mutter und dem zweijährigen Brüderchen im Wald mit seinem Laufrad vorausgefahren - und plötzlich verschwunden. Eine ganze Nacht verbrachte er allein im Wald und fand nicht mehr heraus. Mehrere hundert Polizisten und Rettungskräfte, unterstützt von Hunden und Hubschraubern, suchten vergebens. Am Morgen fand dann ein Angler den Kleinen unversehrt.

Dass das Kind nur wenig unterkühlt war, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass es eine dicke blaue Winterjacke und eine Mütze trug, sagt Polizeihauptkommissar Peter Grießer. Stundenlang sei der Kleine auf der Suche nach seiner Mutter durch den riesigen Dürnbucher Forst geirrt. "Vermutlich ist er dann irgendwann eingeschlafen", meint Grießer, doch auch bald wieder aufgewacht und weitergelaufen. Die Bewegung hat ihn vermutlich außer der warmen Kleidung gerettet.

Gegen 10.20 Uhr am Samstagvormittag fand ihn dann ein Angler an einem Forstweg - mehr als zwei Kilometer vom Ausgangspunkt entfernt. Der Mann hatte von der Suchaktion gehört und brachte das Kind sofort zur Polizei. Von dort kam es zur Untersuchung ins Krankenhaus. Ihm fehlte nichts.

Die Eltern waren während der Nacht von einem Kriseninterventionsteam betreut worden. Sie hatten panische Angst, denn es hätte alles möglich passiert sein können: dass ein Autofahrer das Kind mitgenommen hatte, dass es unterkühlt im Wald lag, dass es in einem Teich ertrunken war. Überglücklich schlossen sie dann am Samstag den verlorenen Sohn in die Arme.

Die 29-jährige Mutter erzählte später, wie das Drama begann: Sie muss sich auf dem Spaziergang kurz um den kleinen Bruder kümmern, der hingefallen ist. Als sie sich wieder umdreht, ist der Fünfjährige weg. Auf Rufe reagiert er nicht, er spielt Verstecken. Sie läuft zum Auto zurück, um zu telefonieren, doch der Akku des Handys ist leer. In ihrer Verzweiflung kann sie ein anderes Auto anhalten, dessen Fahrer die Polizei alarmiert.

Gegen 18 Uhr beginnt dann eine Suchaktion mit zeitweise 350 Rettungskräften, dutzenden freiwilligen Helfern, mehr als 20 Spürhunden und drei Polizeihubschraubern mit Wärmebildkameras. Doch solche Kameras könnten im dichten Wald nicht jede Wärmequelle auffinden, erklärt Polizeisprecher Grießer am Samstag. Der Dürnbucher Forst sei mehr als 45 Quadratkilometer groß, die engmaschige Suche dauere dementsprechend lange. Und dass der Bub eine Bundesstraße überquert hatte, galt als unwahrscheinlich.

Doch das Wichtigste: Der kleine Abenteurer ist wohlbehalten zurück. Auf die Frage, was er mal werden wolle, sagte er am Samstag: Astronaut oder Superman. Du bist schon Superman, antwortete seine glückliche Mutter.

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